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Kommentar

Ein Treffpunkt für alle Hamburger

Jens Meyer-Wellmann

Jens Meyer-Wellmann

Foto: Privat

Das "Haus der digitalen Welt" könnte zu einem Ort des Zusammenhalts werden – so wie sein finnisches Vorbild.

Der Vergleich ist nicht ungefährlich. Kultursenator Carsten Brosda hat das Großvorhaben als „Elbphilharmonie der Digitalisierung“ bezeichnet. Da denkt man an einen Bau von Weltruf, der Bürger und Besucher begeistert. Dunkel erinnern sich die Älteren aber auch an eine Geschichte des Bau-Chaos und der drastischen Fehlkalkulationen, die der CDU-Senat den Hamburgern zumutete.

Deswegen fügt der SPD-Mann hinzu: Das im Wahlprogramm seiner Partei angekündigte „Haus der digitalen Welt“ solle zwar mit „ähnlich großer Geste“ wie das Konzerthaus in der Stadt verankert werden. Die in die Hunderte Millionen Euro gehenden und teils vom Bund getragenen Kosten aber sollen seriös geplant werden. Dabei geht es auch darum, Zentralbibliothek und Volkshochschule mehr Raum zu geben: Beide sollen mit in das Gebäude einziehen.

Vorbild Finnland: Ein Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen

Sollte der Plan gelingen, könnte das „Haus der digitalen Welt“ tatsächlich Strahlkraft weit über die Hansestadt hinaus erlangen – und zugleich zu einem der beliebtesten Treffpunkte für Hamburger aller Altersgruppen werden.

So war es beim Vorbild Oodi, der neuen Zentralbibliothek von Helsinki. Hier treffen sich Schüler und Studierende zum Lernen, Jung und Alt kommen zum Lesen und Schreiben zusammen, man kann 3-D-Drucker ausprobieren, Tablet-Computer leihen, neueste Digitaltechnik ausprobieren, Nähmaschinen nutzen, in Laboren experimentieren – oder sich zum Stricken treffen.

"Haus der digitalen Welt" verspricht viel Nutzen für die Bürger

Insofern geht es bei dem Plan für Hamburg nicht nur darum, die Digitalisierung verständlich zu machen. Es geht auch um einen ganz neuen Ort des (analogen) Zusammenkommens, des Lernens, der Gemeinschaft, um eine Stätte des Zusammenhaltes, ein Bollwerk gegen die Vereinzelung. Und: um eine Bibliothek des 21. Jahrhunderts.

Gewiss: Das Projekt ist ambitioniert und birgt daher Risiken. Es verspricht aber so viel Nutzen für die Bürger und die Stadtgesellschaft: Man sollte die Umsetzung sehr ernsthaft in Erwägung ziehen.