Meinung
Zwischenruf

Wie hieß denn bloß noch meine Grundschullehrerin?

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: HA / Andreas Laible

Auf der Suche nach dem idealen Passwort kommen einem geniale Ideen – man muss sie nur behalten.

Es ist ja kein Geheimnis, dass es Programme gibt, die einem helfen, seine Passwörter nicht zu vergessen. Und man weiß auch, dass man viele unterschiedliche Passwörter haben sollte – aber die kann man sich erst recht nicht merken. Bislang war es mir zu lästig und ehrlicherweise auch ein wenig zu kompliziert, mich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Es gibt so viele gute Bücher zu lesen, dagegen scheint mir das Installieren eines Passwortmanagers doch eine recht freudlose Angelegenheit.

Als ich kürzlich Tickets über die Bahn-App kaufen und mit Kreditkarte bezahlen wollte, ging alles gut – bis zu dem Moment, als ich zusätzlich zur TAN, die mir die Bank vor jeder Transaktion schickt, eine Sicherheitsfrage beantworten musste. Ich hatte sie bestimmt irgendwann ausgewählt, weil sie einfach erschien: „Wie hieß Ihre Grundschullehrerin?“ Herrje, natürlich weiß ich deren Namen, aber ich hatte zwei Grundschullehrerinnen. Eine Schreckschraube namens Hirtlmeyer, die gegenüber meinem Elternhaus wohnte und mich in der ersten Klasse unterrichtete (und mir immerhin sehr erfolgreich lesen, schreiben und das kleine Einmaleins beibrachte), und Frau Baumberger, die Frau des Dorfgendarms, meine Lehrerin von der zweiten bis zur vierten Klasse.

Welchen Lehrerinnennamen hatte ich bei der Sicherheitsfrage hinterlegt?

Wir mussten immer umschichtig zur Schule – einen Monat vormittags, im nächsten Monat nachmittags. Der Grund: Wir waren 40 Erstklässler, aber die Schule war nicht groß genug. In Zeiten der Ganztagsbetreuung mögen viele den Kopf schütteln, aber 1975 in Österreich auf dem Dorf war das halt so. 20 am Vormittag, 20 am Nachmittag.

Aber welchen Lehrerinnennamen hatte ich wohl bei der Sicherheitsfrage hinterlegt? Ich bekam Schweißperlen auf der Stirn, weil man ja sehr schnell aus der Bahn-App fliegt, wenn man die Buchung nicht abschließt. Ich gab den ersten Namen ein – falsch. Zweiter Name – wieder falsch. Nun war ich ratlos, mehr Lehrer hatte ich nicht. Nicht mal eine Extrahandarbeitslehrerin – und early english war auch noch nicht erfunden.

Also versuchte ich es mit Groß- und Kleinschreibung. Und tatsächlich – irgendeine Version war die richtige, die Tickets waren gebucht.Für die Zukunft muss ich mir definitiv etwas Neues überlegen. Vielleicht eine DIN-A4-Seite mit allen Passwörtern anlegen, so wie es Freunde von mir handhaben. Nicht ganz sicher, aber doch auch eine Art Passwortmanager.