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Handelskammer meidet Konflikte – Chance vertan

Martin Kopp ist Wirtschaftsredakteur beim Hamburger Abendblatt

Martin Kopp ist Wirtschaftsredakteur beim Hamburger Abendblatt

Foto: HA

Die „Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg“ hätte die Gunst der Stunde nutzen müssen. Warum das nicht gelang.

Hamburg. Einmal im Jahr stellt die Hamburger Wirtschaft die Arbeit des Senats auf den Prüfstand. Bei der „Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg“ (VEEK) berichtet die Handelskammer nicht nur über die Lage, sondern nutzt ihre Jahresschlussansprache, zu der in der Regel auch zahlreiche Senatsvertreter kommen, um wirtschaftspolitische Missstände und Fehlentscheidungen anzuprangern. Doch die diesjährige Versammlung bot das nicht.

Der im Allgemeinen nie um kritische Worte verlegene Vorsitzende der VEEK, Gunter Mengers, wollte die traditionsreiche Veranstaltung nicht zu einer Wahlveranstaltung ausarten lassen und sparte mit Angriffen. Der Vizepräses der Handelskammer, André Mücke, hat derzeit genügend Probleme im eigenen Haus zu bewältigen, als dass er mit dem Finger auf andere zeigen könnte.

Hamburger Wirtschaft: Forderungen an Politik erwartet

So blieben beide in ihren Reden bei unkonkreten Forderungen und wohlmeinenden Ratschlägen an die Politik – weit abseits vom aktuellen Wahlkampf.

Menschlich ist das nachvollziehbar. Aus Sicht der Wirtschaft wurde aber eine Chance vertan, sich mit klaren Forderungen an die Politik zu Wort zu melden. Mehr und mehr offenbart sich dabei das Dilemma, in dem die Handelskammer steckt. Ihr Anspruch: Sie will die Vertretung aller Unternehmen in dieser Stadt sein, kann also nur die Themen bewegen, in der sich branchenübergreifend alle Mitglieder einig sind.

Heraus kommt dabei oftmals nur der kleinste gemeinsame Nenner, beispielsweise in der Verkehrspolitik: Die Bürgerschaftsparteien streiten über ein Autoverbot in der Innenstadt. Alle haben da eine klare Haltung, außer die Kammer. Da sie im gleichen Maße Gas­tronomen, die das begrüßen, vertritt, wie auch Lieferdienste, die dagegen sind, äußert sie sich lieber nicht. Das ist basisdemokratisch, aber nicht zielführend.