Meinung
Leitartikel

Fußball? Hamburg ist zweitklassig!

Alexander Laux ist Sportchef beim Hamburger Abendblatt.

Alexander Laux ist Sportchef beim Hamburger Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / HA

HSV und FC St. Pauli quälten in der Hinrunde sich und die Fans viel zu häufig. Diesen Wahrheiten müssen alle ins Auge sehen.

Fangen wir am Ende dieses Fußballjahres mit einer positiven Nachricht rund um den HSV an. Während in Stuttgart nach dem 18. Spieltag Trainer Tim Walter mit 31 Punkten vor dem Aus steht, sitzt Dieter Hecking nach dem 2:2 in Darmstadt und ebenfalls 31 Punkten fest im Sattel. Und das ist auch gut so.

Nicht nur, dass die ständigen Trainerwechsel unterm Strich nur Millionen Euro gekostet und den HSV schließlich in die Zweite Liga haben stürzen lassen. Dem 55 Jahre alten erfahrenen Trainer ist definitiv zuzutrauen, den jüngsten (Ergebnis-)Negativlauf nach der Winterpause zu stoppen.

HSV: Die dritte Zweitliga-Saison ist realistisch!

Aufstiegsplatz zwei klingt zwar auf den ersten Blick immer noch nach einer guten Ausgangsposition für den Verein, die jedoch deutlich besser hätte sein können. Die Form- und Ergebniskurve (nur sechs von theoretisch 24 Punkten aus den vergangenen acht Spielen) dürfte allerdings dem letzten verträumten Anhänger klargemacht haben, dass eine dritte Saison im Unterhaus eine realistische, bittere Option für 2020 ist.

Auch wenn die „Verpackung“ immer noch glänzt inklusive der großartigen Fans: Fußball-Hamburg ist endgültig in der Zweitklassigkeit angekommen.

Positiv ist aber auch, dass es dem HSV, der sich mit vielen hausgemachten Possen und Skandalen über viele Jahre zu einer bundesweiten Lachnummer entwickelt hatte, gelungen ist, für Ruhe im Umfeld zu sorgen und sich auf sein Kerngeschäft zu fokussieren: den Fußball.

Bakery Jatta: Pluspunkt für den HSV

Auch das Verhalten im Fall von Bakery Jatta, als sich der gesamte Club inklusive des neuen, souverän agierenden Jonas Boldt klar positionierte, stärkte nicht nur die Gemeinschaft, sondern brachte auch Image-Pluspunkte.

Selbst wirtschaftlich blieben Horrormeldungen aus, obgleich Fakt ist, dass der Club ohne weiteres Fremdkapital im Sommer kaum finanziellen Spielraum haben wird. Gelingt der Aufstieg am Ende tatsächlich, wäre es noch viel schwieriger, die Klasse in Liga eins zu halten. So oder so werden die HSV-Fans auch 2020 viel Geduld beweisen, Rückschläge und quälende Auftritte einkalkulieren müssen.

FC St. Pauli: Mehr war möglich

Apropos Rückschläge: Mit einer baldigen Rückkehr in die Bundesliga hatte vor nicht allzu langer Zeit manch ein St.-Pauli-Anhänger geliebäugelt. Zu Beginn seiner Amtszeit skizzierte auch Trainer Jos Luhukay seine Vision eines Aufstiegs innerhalb von zwei Jahren, nachdem der Club in der Saison 2010/11 das letzte Mal im Oberhaus vertreten war. Von diesen Wünschen ist längst nichts mehr zu hören und lesen.

Trotz langer Ausfallzeiten wichtiger Spieler (Avevor, Diamantakos, Veerman) klafft unterm Strich eine riesige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zu viele Spieler, die eigentlich Leistungsträger in der Zweiten Liga sein müssten, boten schwankende Leistungen oder erreichten nie ihr Leistungslimit. Was eigentlich mit diesem Team möglich gewesen wäre, zeigte sich am Wochenende beim 3:0 gegen Bielefeld.

Luhukay: Der Existenzkampf geht weiter

Natürlich sorgten die drei wichtigen Punkte für kollektive Erleichterung. Von einer Beruhigung kann indes keine Rede sein. Die nur fünf Saisonsiege holte Luhukays Team allesamt im heimischen Millerntor. Dort dürfen die Hamburger in der Rückrunde aber nur noch siebenmal antreten. Angesichts der eklatanten Auswärtsschwäche in der Hinrunde (vier Remis, vier Niederlagen) keine guten Aussichten.

Fallen 2020 erneut einige Schlüsselspieler aus, wird Luhukays Team schnell wieder im Existenzkampf landen – zumal mit Hannover und Nürnberg derzeit noch zwei Clubs hinter St. Pauli stehen, die mit ganz anderen Ansprüchen in die Saison gestartet waren.