Meinung
Zwischenruf

Schlechter Geschmack? Aber gern!

Jens Meyer-Odewald ist Chefreporter beim Abendblatt.

Jens Meyer-Odewald ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Männer sind die treuesten Liebhaber des Universums – zumindest ihre Klamotten betreffend. Eine Glosse.

Hamburg. „Du siehst aus wie eine Megaschlampe!“, gab die Holde daheim zum Besten. Bei diesen Worten hob sie ihre Stimme nicht. Es sollte keine Beleidigung sein, sondern eine Feststellung.

So weit, so schlecht. Am schlimmsten jedoch: Die Holde hatte recht. Vollumfänglich. Weil sie eben nicht ahnt, was die wenigsten Frauen wissen. Männer sind die treuesten Liebhaber des Universums – zumindest ihre Klamotten betreffend. Mann mag sich von den zerfransten, durchgescheuerten, abgewetzten Teilen partout nicht trennen. Auch dann nicht, wenn sie in die Jahre gekommen sind, fast so wie der Träger. Und auch dann nicht, wenn die Konfektionsgröße nicht mehr in Einklang zum Körperumfang steht.

Wenn die Abitur-Reise "Splash" heißt

Themenwechsel zu den Marotten der Teenager heutzutage. Diese pflegen die Feste zu feiern, bevor der eigentliche Anlass gegeben ist. Nicht nur, dass die Abiturreise, neudeutsch „Splash“ genannt, vor die mündlichen Prüfungen Anfang Juni 2020 gelegt wurde. Das ist so, als würden wir morgen Pfingsten feiern. In immer größeren Schritten eilt der Nachwuchs dem finalen Schultag entgegen. Bizarre Festivitäten betreffend, offenbaren die Teenager verblüffende Kreativität und Einsatzfreude.

Zelebriert werden nächtliche Studienbesuche in irgendwelchen Clubkaschemmen. Ebenso wie Mottotage des Abijahrgangs. Jetzt am Donnerstag wollen die jungen Frauen und Männer in Pyjamas zum Unterricht erscheinen, sechs Tage später als Lehrer. Nach und nach folgen Sporttrikots, Hippies und (Entschuldigung!) „Nutten & Zuhälter“. Mottotag eins fand bereits statt. Devise: „Bad Taste“. Schlechter Geschmack.

Und was meinte die Tochter? „Papa, dann bräuchtest du dich gar nicht umzuziehen.“ Ich glaube, die Frauen bei uns zu Hause halten zusammen.