Meinung
Glosse

Olaf Scholz und die Knabenchöre

Edgar Hasse ist Redakteur in der Lokalredaktion des Hamburger Abendblattes.

Edgar Hasse ist Redakteur in der Lokalredaktion des Hamburger Abendblattes.

Foto: HA

Was soll nur aus den Regensburger Domspatzen werden, wenn der Finanzminister ihnen die Gemeinnützigkeit entzieht?

Vorvorweihnachtlich gestimmte Musikhörer freuen sich in diesen Tagen auf die guten, alten Weihnachtslieder. Wenn vorhanden, werden bald wieder Schallplatten und CDs zum Klingen gebracht. Dann ertönt, neuerdings als bedrohte Art, im Chor aus Knabenmund „Macht hoch die Tür“ oder „Tochter Zion“.

Wenn es jedoch nach Olaf Scholz ginge, könnten Männervereine, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, ihre Gemeinnützigkeit verlieren. Was soll dann aus jenen Knabenchören wie den Regensburger Domspatzen und den Leipziger Thomanern werden? Rolf Zuckowski („In der Weihnachtsbäckerei“) hat als Schirmherr des Boy-Chores „Die Jungs“ jetzt im Abendblatt den Vorstoß des Bundesfinanzministers kritisiert.

Knabenchor mit Mädchen? Unvorstellbar

Das Singen in Knabenchören fördere die kreative Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung, sagt der Hamburger Künstler. Und das, möchte man hinzufügen, gelingt Jungs manchmal besser ohne die Anwesenheit ständig kichernder Mädchen (Achtung, political correctness: Vorurteil!).

Ertragreicher wäre es, Scholz würde die katholische Kirche mal mit diesem Vorschlag konfrontieren: Wenn der römische Männerverein auch weiterhin keine Frauen im Klerus zulässt, ziehen die deutschen Finanzämter nicht mehr die Kirchensteuer ein. Auch die DAX-Konzerne könnte Scholz schröpfen: Derzeit bestehen fast zwei Drittel der Vorstände deutscher Börsenunternehmen ausschließlich aus Männern.