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Synagoge am Bornplatz: Weichen für den Wiederaufbau stellen

Edgar Hasse ist Redakteur in der Lokalredaktion des Hamburger Abendblattes.

Edgar Hasse ist Redakteur in der Lokalredaktion des Hamburger Abendblattes.

Foto: HA

Hamburg. Es gibt Bauprojekte mit starker Symbolkraft. Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und der Leipziger Universitätskirche gehören ebenso dazu wie der geplante Wiederaufbau der Synagoge im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Während in der Hauptstadt der erste Spatenstich 2023 erfolgen wird, ist es in Hamburg bislang nur eine Idee: Die von den Nazis zerstörte Synagoge am Bornplatz (Joseph-Carlebach-Platz) im Grindelviertel könnte wieder neu entstehen.

In der Tat wäre ein solches Projekt ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus – und eigentlich ein Ausdruck von Selbstverständlichkeit: dass jüdisches Leben untrennbarer Bestandteil der religiösen und zivilen Gesellschaft in Hamburg ist. Dass sich, wie die Abendblatt-Umfrage ergab, heute ein breiter Konsens für den Wiederaufbau abzeichnet, ist ein Signal, das Mut zum Handeln macht. Da lohnt es sich, anders als beim Bau des Berliner Flughafens, von der Hauptstadt zu lernen: Dort macht sich ein Kuratorium mit viel Prominenz für den Wiederaufbau der alten Synagoge am Fraenkelufer stark.

Wenn es Hamburg ernst ist, dann muss die Idee jetzt angepackt werden

Dem Gremium gehören neben jüdischen Repräsentanten unter anderem der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Ole von Beust, Gregor Gysi und als Ehrenbotschafterin die Verlegerin Friede Springer an. Wenn es den Hamburgern also ernst ist mit der Idee, dann muss sie jetzt angepackt werden.

Ein ebenfalls prominent besetztes Kuratorium sollte entstehen und ein Förderverein, der sich insbesondere um das Sammeln von Spenden kümmert. Es dürfte Jahre dauern, bis die Bornplatzsynagoge tatsächlich steht. Aber sie könnte zu einem Sakralbau werden, der nicht nur Bethaus ist, sondern auch ein Jüdisches Museum umfasst und in angemessener Weise den Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg kontextualisiert.