Meinung
Zwischenruf

Haben die mir einen Schlüssel untergejubelt?

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: HA / Andreas Laible

Ein bisschen schusselig darf sein. Aber mein wahres Talent lässt sich leider nicht gewinnbringend einsetzen.

Hamburg. Ich bewundere Menschen, die als Zeugen aussagen und sich offenbar noch genau daran erinnern können, was sie an einem bestimmten Tag gemacht oder gesehen haben. Ich weiß lediglich noch, was ich irgendwann mal in einem Restaurant gegessen habe – das immerhin bis zu zehn Jahren rückblickend. Meine Freunde bringe ich damit immer zum Staunen, aber leider ist es kein Talent, das sich gewinnbringend einsetzen ließe.

Viel öfter kommt es dagegen vor, dass ich nicht mal mehr weiß, was ich kurz zuvor getan habe. Beziehungsweise, ob ich etwas wirklich gemacht habe.

Ich hatte doch den Zimmerschlüssel abgegeben...

Aktuelles Beispiel: Am Ende der Ferien gab ich auf dem Weg zum Auto den Zimmerschlüssel ab, die Hotelrechnung hatte ich schon vorher bezahlt. Umso verblüffter war ich, als ich am Flughafen auf der Suche nach der Bordkarte den Zimmerschlüssel in meiner wirklich sehr kleinen Handtasche fand. Was tun mit dem Corpus Delicti? Verschwinden lassen oder doch zurückschicken?

Leider gab es kein Postamt auf dem kleinen italienischen Flughafen. Und ohnehin war das alles doch unmöglich, denn ich hatte den Schlüssel doch abgegeben. Ganz sicher! Ich weiß ganz genau, dass uns der Hotelmitarbeiter noch eine gute Reise gewünscht hatte. Habe ich mir das alles nur eingebildet?

11 Euro für ein Päckchen

Jedenfalls machte ich mich nach der Rückkehr auf den Weg zur heimischen Post. Weil mein Schlüssel-Brief aber zu stark ausgebeult war („So etwas dürfen wir nicht transportieren“, beschied mir die Mitarbeiterin), musste ich einen kleinen Karton kaufen. Zusammen mit dem Porto bezahlte ich fast 11 Euro. Ganz schön viel Lehrgeld für ein bisschen Schusseligkeit.

Eine mögliche Erklärung gibt es noch: Vielleicht haben die uns im Hotel unbemerkt einen Zweitschlüssel untergejubelt. Ja, so könnte es gewesen sein.