Meinung
Zwischenruf

Wunderprächtig, diese Fahrkarten-Kontrollen

Abendblatt-Redakteurin Bettina Mittelacher

Abendblatt-Redakteurin Bettina Mittelacher

Foto: Andreas Laible / HA

"Stoßzeit" beim HVV mit fremden Ellbogen in den Rippen und Tritten auf den Fuß. Doch es geht auch anders.

Das Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln wird gemeinhin nicht unbedingt als Höhepunkt des Tages betrachtet. Vor allem nicht im HVV zur Rushhour, wobei das Wort „Stoßzeit“ den Kern der Sache meist besser trifft. Da spürt man öfter mal einen fremden Ellbogen in den Rippen oder einen kräftigen Tritt auf den Fuß. Nähe kann bekanntlich auch schmerzhaft werden.

Und naturgemäß gehört beim Bahnfahren auch die Begegnung mit einem Fahrkartenkontrolleur nicht gerade zu den vergnügungssteuerpflichtigen Erlebnissen. Üblicherweise läuft es so ab: Ein gestrenger Blick des Kontrolleurs, hastiges Kramen des Fahrgastes nach dem Ticket. Wenn es dann ordnungsgemäß vorgezeigt wird, wendet sich der Kontrolleur wortlos dem nächsten Fahrgast zu.

Sie haben eine Fahrkarte? Super!

Ganz anders der freundliche Herr, dem ich schon zweimal begegnen durfte. Jeden der zuverlässigen Fahrgäste bedenkt er mit anerkennenden Worten. „Super“, heißt es dann. „Perfekt“, „vorbildlich“, „toll“, „großartig“ oder auch „allerbest“. Die Dame mir gegenüber wurde jetzt sogar mit einem „Wunderprächtig“ gelobt.

Wunderprächtig, das war ja schon eins der Lieblingswörter des legenden Fred Feuerstein aus der Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“. Jene Truppe von Höhlenmenschen, die Fahrzeuge aus Steinen, Holz und Tierfellen nutzen und bei denen auch schon mal ein Mammut als Wasserhahn oder Geschirrspüler herhalten muss.

Wir erinnern uns: Das begeisterte „wunderprächtig“ von Fred Feuerstein wurde immer mal wieder von einem überschwänglichen „Yabba Dabba Doo!“ getoppt. Eher unwahrscheinlich, dass das irgendwann jemand von einem Fahrkartenkontrolleure in der S-Bahn zu hören bekommt. Aber ich hoffe trotzdem drauf. Ich habe auch garantiert einen gültigen Fahrausweis dabei.