Meinung
Zwischenruf

Singlebörse Supermarkt

Abendblatt-Redakteurin Bettina Mittelacher

Abendblatt-Redakteurin Bettina Mittelacher

Foto: Andreas Laible / HA

Speeddating, Reisen für Singles, Onlineportale, bei denen sich alle elf Minuten jemand verliebt: Der Supermarkt liegt im Trend.

Speeddating, Reisen extra für Singles oder Onlineportale, bei denen sich angeblich alle elf Minuten jemand verliebt: Für Menschen, die unfreiwillig ohne Partner sind, gibt es eine Menge Angebote. Aber um das seelische Befinden niederer Lebewesen kümmert sich kaum jemand. Oder doch?

Im Supermarkt meines Vertrauens begibt man sich offensiv auf Partnersuche. „Ich bin Single und noch zu haben“, heißt es auf einem Schild. Damit ist mitnichten der junge Mann gemeint, der Gemüsedosen ins Regal sortiert, und auch nicht die Bedienung an der Wurst- oder Käsetheke. Der Hinweis gilt vielmehr den verschmähten Bananen, die von einer Staude abgetrennt und als Einzelexemplar übrig geblieben sind.

Plastik ist nicht förderlich für die Partnersuche

Ein herzensguter Mensch hat sie in einem Korb zusammen mit Leidensgenossen gesammelt und das Schild aufgestellt, das auf die Singles hinweist. Auf dass sich jemand ihrer annehme und ihr Einzeldasein beende.

Auch an der Kasse setzt sich das Thema fort. Das Preisschild, das ich nach dem Abwiegen direkt auf eine Paprikaschote geklebt habe, um keine Plastiktüte für sie nehmen zu müssen, hat sich davongestohlen – und findet sich auf einer anderen Plastiktüte mit kernlosen Trauben wieder.

„Diese Beutel haben eine besondere Anziehungskraft“, stellt die junge Frau an der Kasse lächelnd fest. „Ich habe schon überlegt, ob ich mir eine ganz dekorativ übers Gesicht stülpen soll.“ Bloß nicht! Wie wir mittlerweile alle wissen, ist Plastik extrem schädlich für die Umwelt – und damit bestimmt auch nicht förderlich bei der Partnersuche. Auch wenn es haftet – anziehend ist etwas anderes. Zum Beispiel das fröhliche Lächeln der Kassiererin: eindeutig ansteckend.