Meinung
Zwischenruf

Fluggepäck: 50 Euro extra für die Schönheit

Elisabeth Jessen

Elisabeth Jessen

Foto: HA

Zugegeben, ich habe zu Fluggepäck ein leicht gestörtes Verhältnis. Schon seit Jahren gehe ich nach jeder Landung als Erstes zur Gepäckermittlung. Vielerorts (vor allem in Südeuropa) kann man dafür eine Wartenummer ziehen und danach in Ruhe gucken, ob der Koffer vielleicht doch am Gepäckband auftaucht. Recht häufig war das nicht der Fall – deshalb die Vorsorgemaßnahme.

Inzwischen reise ich vorsichtshalber ohnehin meist nur mit Handgepäck. Man kann sich im Urlaub sehr bescheiden, wenn man gelernt hat, wie wenig man tatsächlich braucht. Und das lernt man zwangsläufig, wenn Koffer erst Tage später das Ziel erreichen als man selbst.

Umso verblüffter war ich, dass für die fünftägige Klassenreise meines Sohnes nach London Flugtickets gebucht wurden, bei denen ein großes Gepäckstück und zusätzlich ein Handkoffer erlaubt sind. Für die paar Tage hätte doch auch ein kleiner Rucksack gereicht, dachte ich ... Mitnichten!

Es liege an den mitreisenden jungen Damen, die nicht auf ihre zahlreichen Schminkutensilien verzichten wollten, sagt die Lehrerin und verweist auf ihre jahrelange Erfahrung. Sie habe ja immer schon einen extragroßen Koffer mitgenommen, um das Übergewicht aus dem Gepäck der Schüler aufzunehmen, aber das habe irgendwann den Rahmen gesprengt, sagt sie. Daher werden sich nun alle morgens um 5.15 Uhr (!) am Check-in-Schalter versammeln, um den Abflug zwei Stunden später nicht zu gefährden. Pro Ticket waren 50 Euro zusätzlich fällig – damit auch wirklich alle Schminkköfferchen eingepackt werden können.

Darüber kann man sich ärgern oder die Gunst des großen Koffers nutzen. Wir entschieden uns für Letzteres und haben bei unserem Sohn eine große Teebestellung aufgegeben. Es gibt eine Sorte, die einst für die Queen gemixt wurde und die auch dem Pöbel – also uns – sehr gut schmeckt. Ehe ein No-Deal-Brexit den Tee hinter Zollschranken verbannt, bunkern wir ihn. So viel, bis der Koffer das maximale Gewicht erreicht hat. Danach werden wir den 31. Oktober abwarten – und Tee trinken.