Meinung
Zwischenruf

Die schwarz-gelbe Gefahr lauert überall

Wir haben ein Wespennest im Keller. Das klingt jetzt schlimmer, als es ist: Solange man nicht in das Nest hineinsticht, sticht es auch nicht heraus. An das Gefühl, beim Schritt vor die Haustür umschwärmt zu werden, könnte man sich sogar fast gewöhnen (der Sohn allerdings nicht). Es ist ein Leben- und Schweben-Lassen, ein friedliches Nebeneinander. Summ, summ!

Wesentlich riskanter ist es, in diesen Tagen in Hamburg Fahrrad zu fahren. Die Gefahr lauert nicht nur auf zugeparkten Radwegen oder hinter irrlichternden Stehrollern. Sie liegt, wie ich erfahren musste, gewissermaßen in der Luft. Es kann jederzeit passieren: Ohne zu blinken, kreuzt einer dieser schwarz-gelben Tiefflieger den Weg. Mit einem dumpfen, aber gut spürbaren Einschlag kommt es zum Frontalzusammenstoß auf der Unterlippe.

Die sieht nach etwa einer halben Stunde etwa so aus wie die eines Boxers nach einer halben Stunde deckungsfreien Schlagabtauschs. Was die Frage aufwirft: Fliegen Wespen eigentlich mit Stachel voraus? Eine andere Frage stelle ich mir lieber nicht: Was wäre, wenn der Mund ein bisschen weiter offen gestanden hätte?

Immerhin habe ich jetzt einen Grund, mich auf den Herbst zu freuen: Die Tage der Wespen sind gezählt. Die der überfüllten Radwege auch. Mit den Radfahrern ist es nämlich ein bisschen so wie mit den Wespen: Die ersten Stürme fegen die meisten von den Straßen. Den Winter überleben bei den Wespen nur die Königinnen. Nach einem passenden Namen für die überwinternden Radfahrer wird noch gesucht.