Meinung
Leitartikel

Dauerparken am Flughafen: Nur abschleppen hilft

Der Autor ist Redakteur der Polizeiredaktion.

Der Autor ist Redakteur der Polizeiredaktion.

Foto: Michael Rauhe / HA

Klare Kante gegen dreiste Urlauber: Die Stadt Hamburg sollte nicht nur Knöllchen verteilen, sondern verstärkt abschleppen.

Hamburg. In einigen Quartieren der Stadt ist es kaum möglich, einen Parkplatz in angemessener Zeit zu ergattern. Wer abends durch Eimsbüttel, Eppendorf, Winterhude oder Teile von Barmbek fährt, befindet sich während der Suche mitunter buchstäblich auf Schleichfahrt. Das nervt, das frustriert, das stresst.

Wenn mit dem Airport Hamburg dann auch noch ein Flughafen vor der Haustür liegt, haben die Anwohner erst recht das Nachsehen, wie die Situation rund um das Drehkreuz im Herzen von Fuhlsbüttel zeigt: Etwa die Hälfte der Parkplätze in den umliegenden Wohngebieten wurde nach einer Untersuchung aus dem vergangenen Jahr von Fahrzeugen mit ortsfremdem Kennzeichen in Beschlag genommen – und im schlimmsten Fall über Wochen blockiert.

Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass betroffene Autofahrer, die im Bereich Fuhlsbüttel/Langenhorn leben, mit den urlaubenden Sparfüchsen hadern. Und hier geht es nicht um Peanuts: Der Hamburger Flughafen ist mit mehr als 17 Millionen Passagieren pro Jahr der fünftgrößte Deutschlands.

Strafzettel sind nicht abschreckend genug

Die hohe Zahl von fast 7500 verteilten Knöllchen nach Einrichtung der fünf neuen Bewohnerparkzonen innerhalb von sechs Wochen verrät zweierlei. Erstens: Der Parkdruck in den Wohngebieten rund um den Flughafen – mutmaßlich auch oder vor allem durch Flugreisende – ist noch immer enorm. Zweitens hat der Landesbetrieb Verkehr (LBV) seit Mitte Juni einen nicht zu unterschätzenden Kontrolldruck aufgebaut. Die Strafzettel werden im Akkord geschrieben, im Schnitt 165-mal pro Tag. Bei diesen beachtlichen Zahlen verwundert es schon, wenn sich Anwohner über eine zu geringe Aktivität der Mitarbeiter vom Parkraum-Management beklagen.

Fraglich bleibt aber, ob sich Parksünder von den Bußgeldern und den verstärkten Kontrollen überhaupt effektiv abschrecken lassen. Wer eine Woche in den Süden fliegt, der kommt – mit etwas Glück – mit nur einem Knöllchen davon und zahlt mit noch mehr Glück auch nur 10 Euro dafür. Im Vergleich dazu beträgt die Gebühr im Parkhaus direkt am Terminal ein Vielfaches. Man muss kein Mathe-Genie sein, um herauszufinden, wo es sich günstiger parkt – zumindest unter idealen Bedingungen.

Stadt muss verstärkt abschleppen

Allerdings verfängt die Forderung der CDU nach einer reduzierten Parkgebühr am Flughafen auch nur bedingt. Natürlich, wer sein Auto nur eine Woche dort abstellt, muss mit happigen Kosten rechnen. Doch die Summe relativiert sich mit steigender Parkdauer. Wer damit leben kann, dass sein Auto 1,5 Kilometer vom Terminal entfernt steht (inklusive Bus-Service), zahlt für drei Wochen Parken nur rund 110 Euro, also etwa 5 Euro pro Tag.

Die Behörden sollten nach einer vertretbaren „Eingewöhnungszeit“ verstärkt vom Mittel des Abschleppens in den Bewohnerparkgebieten Gebrauch machen. Wer hier zu Unrecht parkt, um ein paar Euro zu sparen, der weiß, was er tut und muss mit den Folgen leben. Wobei die Fahrzeuge, wenn sie denn lediglich umgesetzt werden, ihrerseits einen Parkplatz in den angrenzenden Straßen und Quartieren belegen. Generell gilt: Wochenlang einen Parkplatz okkupieren, der eigentlich den dringend darauf angewiesenen Anwohnern vorbehalten ist – das ist dreist.

Sollte die Stadt Autos, die in Anwohnerparkzonen stehen, konsequent abschleppen lassen?

Wer aber vor Augen hat, dass er nach seinem Urlaub für die Auslöse seines Autos in der Verwahrstelle Hunderte von Euro wird zahlen müssen, der gelangt womöglich auch zur Erkenntnis, dass das „Kostenlos“-Parken in den Wohngebieten vor allem eins ist: eine Milchmädchenrechnung. Und ganz sicher kein Schnäppchen.