Meinung
Zwischenruf

Fliegen gefährdet die deutsche Sprache

Norman Raap

Norman Raap

Foto: HA

Passagiere können am Flughafen Hamburg etwas für ihre Fremdsprachenkenntnisse tun. All faces in flight...

Klar, Fliegen ist schlecht fürs Klima, keine Frage. Gar nicht mehr zu fliegen ist aber auch keine Lösung. Selbst auf den umstrittenen Inlandsflügen können Passagiere noch etwas Gutes tun – und zwar für ihre Fremdsprachenkenntnisse. Fliegen gefährdet nämlich nicht nur die Umwelt, sondern zunehmend auch die deutsche Sprache.

Alle Piloten müssen ihre Kommandos grundsätzlich in der internationalen Fliegersprache geben („Cabin Crew, prepare for lan­ding!“). Sicher ist sicher. Mittlerweile müssen aber sogar die deutschsprachigen „Pax“ (Passagiere) im Inland immer mehr Englisch verstehen als je zuvor.

"We regret to inform you..."

Das fängt schon in der Hansestadt an. Aus dem Flughafen Fuhlsbüttel wurde der „Hamburg Airport“. Noch auf dem Weg zum Terminal (Empfangsgebäude) schickt die deutsche Low-Cost-Airline (Billigfluggesellschaft) eine englischsprachige E-Mail (Fernschreiben) auf das Handy. Betreff: „New Departure Time“ (Verspätung!). Die Mitteilung: „We regret to inform you …“ (soll heißen: „Immerhin haben wir Ihren Flug heute nicht ersatzlos gestrichen.“).

Zwischen „Check-in“ (den Koffer aufgeben, manchmal wortwörtlich zu verstehen) und „Boarding“ (Insider sagen auch „All faces in flight“) wartet noch der „Security Check“ – für Business-Class-Passagiere mit Priority-Barcode geht es auf der Fast Lane häufig auch nicht schneller, aber man ist beim Bodyscan unter sich (oder wie Otto Waalkes schon in einer seiner frühen Bühnenshows bekannte: „Wenn ich nicht auf dem Flughafen immer nach Waffen abgetastet werden würde, hätte ich überhaupt kein Sexualleben mehr.“).

Airport Plaza – die Cashcow von Fuhlsbüttel

Bevor wir zum Gate (mal Flugsteig, mal Bushaltestelle) gehen, lädt uns die Airport Plaza (die Cashcow von Fuhlsbüttel) zum Shopping – einem völlig unüberlegten Spontankauf – ein. Da locken beliebte Luxusmarken 365 Tage im Jahr mit „Sale“ (Ausverkauf) und „Final reduction“ („Billiger wird’s nicht!“).

Für den Non-Smoking-Flight (eine Selbstverständlichkeit – oder haben Sie schon mal Passagiere mit Abendanzug und Fliege fliegen sehen?) decken wir uns mit Zigaretten im Duty Free (vergleiche: Butterfahrt) ein und ersparen uns die Tax(e). Irgendein Shuttle (Pendelverkehr) bringt uns schon zum Airbus.

Der heutige Grund für die Verspätung: Es wurde kein Catering (Essen und Trinken) geliefert, und die Galley (Bordküche) bleibt trotz des langen Wartens auf Tomatensaft und pappige Sandwiches leer, weshalb sich der Captain 45 Minuten nach der geplanten departure time zum take off entschließt. Da bekommt die Aufforderung „Fasten (your seatbelts)“ eine ganz neue Bedeutung. Und waste free (abfallfrei) war der Flug auch – not too bad für die Umwelt!