Meinung
Schumachers Woche

Im Clinch mit der Besserwasserdame

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Abendblatt-Kolumnist Hajo Schumacher

Foto: Reto Klar

Tatort Supermarkt: Was verbissene Konkurrenzgedanken anrichten können – und wie sie überwunden werden.

Hamburg. Es geschah an den Pfandautomaten, die im Supermarkt meines Vertrauens in einer Ecke stehen, weswegen sich stets mehrere Schlangen aus verschiedenen Richtungen bilden. Vielleicht bin ich pingelig, aber ich finde, dass sich die Reihenfolge der Einwurfberechtigten aus der Wartezeit ergibt. Wer am längsten steht, ist dran, und nicht, wer sich in die schlaueste Schlange schlawinert hat. Eine jüngere Frau sieht das anders.

Ohne mich, den länger Wartenden, überhaupt per Blick zu kontaktieren, drängelt sie sich vor zum Flaschenschlund. Sie konsumiert sehr teures Mineralwasser. Snobistin. Ich versuche, mich nicht aufzuregen. Ärgern ist sinnlos, sagt Tucholsky (oder war’s Mark Twain?) – nützt keinem, ärgert nur einen.

Ich grolle trotzdem. „Sag’s ihr!“, hätte meine Frau geraten. Leider neige ich zum Eskalieren. Und als alter weißer Mann bin ich sowieso das Schwein. Ich beschließe, nachtragend zu sein.

Im Supermarkt sieht man sich immer zweimal. Der Moment der Rache naht am Kühlregal. Die Besserwasserdame will meinen Weg kreuzen. Nichts da. Souverän fahre ich meinen Wagen in ihren Weg und fixiere dabei einen Punkt in der Ferne, Richtung Chipsregal. Wer Blickkontakt aufnimmt, hat schon verloren, sagt der Psychologe. Deswegen: wie Winnetou zum Horizont gucken und lospreschen. Sie bremst und flucht sicher innerlich. Ich fühle mich deutlich besser.

Showdown an den Kassen: Sie an Kasse 4, ich an 7. Ich will eher dran sein als sie, was ein sinnloser Wettkampf sein mag, den ich aber trotzdem gewinnen werde. Sie packt Avocado aufs Band, ich den Feldsalat aus der Region – moralischer K.-o.-Sieg. Leichter Vorsprung für sie, aber, ha, jetzt macht sie den tödlichen Fehler und fummelt nach der Karte. Ich zücke Bargeld, fast passend. Sie packt die letzten Beeren in die Tasche, ich die Eier. Fotofinish. Unentschieden.

Beim Rausgehen treffen wir uns an der Tür. Ich lasse ihr den Vortritt. Sie lächelt. Ein gedeihliches Miteinander kann so einfach sein.