Meinung
Zwischenruf

Emojis und mehr: Sprechen Sie Handyanisch?

Der Autor ist Redakteur der Polizeiredaktion.

Der Autor ist Redakteur der Polizeiredaktion.

Foto: Michael Rauhe / HA

Papaaaa! Wie macht man das weg???!!! Früher war die Wahrheit auf dem Platz, jetzt liegt sie in unseren Smartphones.

Intensive Handy-Nutzung sorgt dafür, dass sich Hirne aufblähen und Köpfe explodieren. Leider. Vergessen Sie es: Wenn Sie Ihr Kind mit derlei (scherzhaften) Gruselgeschichten schockfrosten wollten, um für einen kritischen Umgang mit Digital-Inhalten zu werben, denken Sie sich besser einen anderen Tinnef aus.

In diesem Fall reagierte meine 13 Jahre alte Tochter wie ein Prototyp aus einem dieser grässlichen amerikanischen High-School-Schundfilme, in der Art: Echt jetzt? Dein Ernst? O mein Gott! Wie abgefahren!

RIESENPROBLEM im Display

Früher war die Wahrheit auf dem Platz, jetzt ist sie es auf dem 4,7 Zoll großen Display eines Smartphones. Vorgenannte Tochter schickte neulich ein Foto ihres Handy-Homescreens zu ihrem im Folgenden als „Hotline“ bezeichneten Papa. Darauf zu sehen: drei krakelige von ihr aufgemalte Pfeile in Neonfarben, die mit der Spitze auf ein RIESENPROBLEM in der rechten oberen Ecke des Displays zeigten: Da war ein Symbol aufgetaucht, das sie nicht kannte und das sie deshalb nicht mehr auf ihrem Bildschirm ertrug. Vielleicht machte es ihr aber auch Angst. Ohne Umschweife (und freundliche Anrede) fauchte sie mich per Kurznachricht an: Hotline! Wie macht man das weg???!!!

Gleich danach wechselte sie von Deutsch zu Handyanisch. Die Nachricht mit dem Foto erreichte mich um 17.29 Uhr; ich arbeitete noch. In dieser einen Minute schickte sie dreimal drei Fragezeichen – offenbar weil ich die für Teenager maximal tolerierbare Zeitspanne von zehn Sekunden für eine Antwort überschritten hatte. In der gleichen Minute bombardierte sie mich mit diesen drolligen Bildchen (Emojis) – für die Generation Handy eine Art Gebrauchspoesie von der Apple-Zuchtfarm.

Kein Emoji zur Hand? Flugmodus einschalten!

Ich erhielt: einen vor Tränen lachenden Ball, zweimal zwei Herzen und einen emporgereckten Daumen. Ich fühlte mich etwas überfordert. Lachte sie über ihre eigene Frage? Bekundete sie mit den Herzen Zuneigung für ihren Vater, der das Pro­blem gewiss lösen würde (der Daumen!)?

Ich überlegte, ob ich ihr folgenden Satz schreiben sollte: Hotline ist vorübergehend nicht erreichbar. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Weil ich jedoch keinen passenden Emoji parat hatte, um mich damit bei einem Teenager des Jahres 2019 verständlich zu machen, versetzte ich mich lieber gleich in den Flugmodus.