Meinung
Zwischenruf

Explosive Nektarinen am Flughafen

Sicherheitskontrollen am Flughafen sind ja an sich eine entspannte Sache geworden. Die Sache mit den verbotenen Flüssigkeiten hat man verinnerlicht, Armbanduhr und Gürtel muss man auch nicht mehr abnehmen. Seit der Einführung der Ganzkörperscanner stellt man sich mit gegrätschten Beinen hin, hebt die Arme seitlich hoch, es macht leise ritsch-ratsch, und schon ist man fertig. Also fast. Ich wurde in letzter Zeit nämlich mehrfach an die Seite gebeten. Sprengstoffverdacht! Dabei ist das Explosivste an mir mein Temperament.

Vorsichtig öffnete der Security-Mitarbeiter meinen Rucksack und machte einen Abstrichtest auf explosive Materialien. Dann sagte er: „Ah, vermutlich hat die Pink Lady ausgelöst.“ Ich war verwirrt – was meinte der Mann bloß? Bis mir einfiel, dass ich Obst im Handgepäck hatte, keinen Apfel namens Pink Lady zwar, aber eine Nektarine.

Bei der nächsten Reise holte man mich wieder raus. Sprengstoffverdacht! Diesmal war ich vorbereitet: „Das sind sicher meine Pfirsiche“, sagte ich freundlich und entspannt. Der Sicherheitsmitarbeiter guckte ernst und sagte, ich hätte doch besser Bioobst kaufen sollen, „das löst keinen Alarm aus“. Mit meiner Ruhe war es vorbei. Waren da etwa besonders schlimme Pestizide oder sonstige Spritzmittel auf meinem Obst, so gefährlich, dass sie Sprengstoffalarm auslösen? Hätte ich doch die teuren Biopfirsiche kaufen sollen? Nun lachte der Mann und seine ganze Kollegenschaft gleich mit, weil sie mich so schön veräppelt hatten.

Meine nächste Reise habe ich übrigens mit dem Zug geplant. Da kann man ja sogar ungestraft gekochte Eier mitnehmen – nach meiner Erfahrung die beliebteste Speise von Zugfahrgästen. Die Eier sorgen wenigstens nicht für Sprengstoffalarm – sondern nur für gerümpfte Nasen der Mitfahrer ....