Meinung
Kommentar

Autofrei? Wir gewinnen mehr Lebensqualität

[..HA Redakteure.]

[..HA Redakteure.]

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Man kann Hamburg nur raten, mal über den Tellerrand zu gucken. Warum diese Weltstädte unsere Vorbilder sein müssen.

Schade eigentlich, Hamburg wäre oft gern Vorreiter, aber dann traut sich die Politik doch nicht. Eine autofreie Innenstadt? Das geht doch nicht! Wie sollen denn die ganzen Geschäfte überleben?

Man kann dieser Stadt nur raten, mal über den Tellerrand zu gucken, wie es andere Städte machen. Nehmen wir beispielsweise Wien: Aus einer der Haupteinkaufsstraßen, der Mariahilfer Straße (vergleichbar der Mönckebergstraße) wurden vor einigen Jahren Straßenbahnen und Autos verbannt. Nach einem Umbau haben Fußgänger richtig viel Platz zum Flanieren, auch Radler und neuerdings E-Scooter-Fahrer (aktuell die Beelzebuben des Individualverkehrs) finden genug Raum, um sich nicht in die Quere zu kommen.

Was Wien besser macht als Hamburg

Mehrere U-Bahn-Stationen liegen entlang der Straße und sorgen für die gute Erreichbarkeit der prosperierenden Geschäfte. Auch der Großteil der inneren Stadt, des sogenannten 1. Bezirks, ist bereits Fußgängerzone. Dort herrscht auch um Mitternacht noch Leben wie hier nachmittags auf der Mönckebergstraße.

Genau das ist einer der Vorteile einer autofreien City, in der natürlich der Lieferverkehr erlaubt sein muss: Die City wird abends nicht rasant menschenleer, sobald die Geschäfte ihre Rollläden runterlassen.

Ein beliebtes Argument von Geschäftsleuten ist ja, dass ihre Läden mit dem Auto erreichbar sein müssten, damit sie überlebensfähig sind. Mag sein, dass es den einen oder anderen Kunden abschreckt, wenn er nicht mehr direkt vorfahren kann. Aber ganz ehrlich: Viele Autofahrer drehen doch Runde um Runde, ehe sie einen freien (gebührenpflichtigen) Parkplatz finden oder am Ende genervt im teuren Parkhaus landen. Und schon jetzt kommen 80 Prozent der Menschen mit Bus und Bahn in die Innenstadt. Es geht also nur noch um 20 Prozent!

Autofreie Vorbilder: Für Hamburg gilt nur das Wann, nicht das Ob

Natürlich muss im Nahverkehr dringend was passieren. Vor allem die Hamburger S-Bahn muss zuverlässiger werden, man muss die Taktung aller Linien in die City überprüfen und verbessern und die HVV-Karten dringend günstiger anbieten. Der Preis für Bus und Bahn kann nämlich ein überzeugendes Argument sein, sein Auto stehen zu lassen. Bislang ist er es nicht!

Von den Vorzügen einer autofreien Innenstadt kann man sich ja schon testweise aufs Trefflichste überzeugen: Mehrere Straßen in der City sind derzeit für Autos gesperrt. Viele Wirte haben die Chance genutzt und viel mehr Tische und Bänke herausgestellt als sonst. Der Autolärm ist weg, die Luft spürbar besser. Und dieses Angebot kann die Innenstadt auch abends deutlich beleben.

Mit einer autofreien Innenstadt wäre Hamburg kein Vorreiter, aber wenigstens im Trend der Zeit: Madrid, Oslo, Helsinki. Brüssel und viele andere Städte drängen Autos zurück. In Hamburg kann die Frage nur sein, wann, nicht ob!