Meinung
Zwischenruf

Unverhoffter Geldsegen aus der Jackentasche

Man muss ja ein wenig Mitleid haben mit den Lübecker Stadtkämmerern, die vor ein paar Tagen zwei lange verschlossene Tresore öffnen ließen. Die Schlüssel waren verschusselt worden, und an die Zahlenkombination konnte sich auch keiner erinnern. Nun wurden also in der Hoffnung auf einen phänomenalen Schatz die beiden Geldschränke in Panzerknacker-Manier geöffnet. Und dann diese Enttäuschung: Es waren nur ein paar weitgehend wertlose Gedenkmünzen drin und sonst nur Kram.

Da ist man als Privatmensch oft besser dran, wenn man einfach mal seine Wintergarderobe durchflöht. Ein paar Münzen findet man immer, manchmal stecken sogar noch kleine Scheine in den Jackentaschen. Aber noch viel lohnender als dieses Suchen nach Kleingeld kann eine erfolgreiche Beschwerde sein.

Kürzlich war ich mit meiner Familie im Urlaub. Eine Putzfrau hatte ihre Aufgabe sehr ernst genommen und nach dem Saubermachen in der Ferienwohnung auch noch großzügig Raumspray verteilt. Auf sämtlichen Kissen, Bettdecken, Sofas lag ein Duft zwischen Zitrone und Klostein. Frisch, aber sehr pene­trant. Als wir einzogen, dachten wir noch, der Geruch werde sich bestimmt schnell verflüchtigen. Aber zum Abend hin wurde klar, dass man in dieser Duftlawine nicht schlafen konnte. Wir ließen alle Fenster geöffnet, packten sämtliche Bettlaken und Kissen in einen Abstellraum und behalfen uns in unserer Not mit Strandlaken. Kurz gesagt: Es wurde eine ungemütliche und sehr kühle Nacht.

Der Vermieter hatte (nach längerem Mailverkehr) ein Einsehen und erstattete die Kosten für die erste Übernachtung zurück. Und damit stehen wir besser da als die Lübecker. Was wir mit dem unverhofften Geld machen? Wir könnten es für etwas völlig Unvernünftiges ausgeben. Da fällt uns schon was ein! Oder wir verstecken im Herbst einen Teil in der Sommergarderobe. Dann haben wir auch 2020 noch was davon.