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Kommentar

"Die Finals": Olympiareif sind nur die Fans

Die Erwartungen waren hoch gewesen – und wurden mancherorts dennoch übertroffen. „Ich hätte nie gedacht, dass das so ein sensationelles Event wird“, sagte Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe, der in seiner Heimat Berlin zum ersten Mal einen Wettkampf im Herzen der Stadt auf der Spree bestreiten durfte. Gerade für Sportarten, die ein Dasein in der Nische fristen, war das Konzept „Die Finals 2019“ – die deutschen Meisterschaften in zehn Sportarten zu bündeln, um mehr Aufmerksamkeit für alle zu generieren – Gold wert.

Glänzen konnten an den beiden Tagen in der Hauptstadt aber vor allem die Fans. Die Wettkämpfe waren durchweg gut besucht, die Stimmung war an allen Standorten wohlwollend bis euphorisch. Guten Sport teilweise kostenfrei sehen und dabei zwischen den Events hin- und herpendeln zu können, das ist für Anhänger der Vielfalt ein Vergnügen, das definitiv eine permanente Wiederholung wert wäre. Und auch wenn das sportlich wertlose Supercupfinale im Fußball mit 8,09 Millionen fast viermal so viele TV-Zuschauer begeisterte wie das DM-Zugpferd Leichtathletik (2,2 Millionen), waren auch die Verantwortlichen von ARD und ZDF, die das „Finals“-Konzept erdacht haben, mit der Premiere zufrieden.

Zu verbessern gäbe es dennoch einiges. Für manche Sportarten war der Termin ungünstig und das Niveau respektive die Wertigkeit der Titelkämpfe entsprechend niedrig. Vor allem jedoch muss Berlin, wenn es sich wirklich noch einmal für Olympia bewerben will, in der Organisationsstruktur deutlich zulegen. Die Zuwege zu und an den Wettkampfstätten waren schlecht beschildert. Die freiwilligen Servicekräfte waren in großer Mehrheit freundlich, aber ebenso ahnungslos. Mancherorts funktionierte das Internet nicht, es gab am Olympiapark zu wenige Toiletten und trotz schwüler Hitze zu wenig zu trinken, vor allem für die Ordnungskräfte. Und so lautet das Fazit: Gold für die Fans, Silber für das Fernsehen, Bronze für die Sportler – und Blech für die Organisation.