Meinung
Meine wilden Zwanziger

Ein bisschen mehr Leichtigkeit, bitte!

Die Autorin ist Redakteurin des Abendblatts.

Die Autorin ist Redakteurin des Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / HA

Ja, wir haben große Probleme in der Welt. Aber hilft uns Angst wirklich weiter? Ein Plädoyer für mehr Optimismus statt Pessimismus.

Morgens lese ich die Zeitung, scrolle meine Timeline bei Facebook und Twitter durch oder höre beim Frühstück Radio. Tagsüber konsumiere ich Nachrichten im Internet, abends schaue ich sie mir vor dem Schlafengehen im Fernsehen bei der „Tagesschau“ oder im „heute journal“ an. Davon einmal abgesehen, dass ich selbst Teil des Systems bin und tagtäglich Geschichten für das Abendblatt produziere, setze ich mich rund um die Uhr Medien aus. Dabei ist es kaum möglich, zu einem anderen Schluss zu kommen, als: Die Menschheit geht ganz offenbar den Bach runter.

In Frankfurt schubst ein Geisteskranker ein achtjähriges Kind und seine Mutter auf die Gleise. Ein anderer Verrückter schießt auf einem Volksfest in Kalifornien um sich. Und der Rest der Erdbevölkerung hat sein ökologisches Konto so früh im Jahr verbraucht wie noch nie – und lebt ab jetzt auf Pump. Was passiert mit unserer Welt?

Nicht selten wünsche ich mir, dass Jan Hofer am Ende der „Tagesschau“ noch einmal eine positive Nachricht verkündet und mich als Zuschauerin mit einer „Gute-Nacht-Geschichte“ in den restlichen Abend entlässt. Stattdessen wird einem bei der Wettervorhersage noch einmal so richtig übel, wenn einem die Deutschlandkarte entweder knallrot gefärbt mit Hitzewarnungen oder Grau in Grau mit Unwettern präsentiert wird.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, mit der deprimierenden Nachrichtenlage umzugehen. Erstens: Man nimmt sie zur Kenntnis, interessiert sich aber nicht ernsthaft für Flüchtlinge im Mittelmeer, Atomtests in Nordkorea und den täglichen Trump-Wahnsinn und führt ein oberflächliches, aber dafür sorgenfreies Leben. Zweitens: Man identifiziert sich mit den Problemen und bekommt immer mehr Angst vor dem, was da draußen in der Welt passiert. Oder drittens: Man macht das Beste aus seinem Leben, bewahrt sich seine positive Einstellung, ohne jedoch die Augen vor Gefahren zu verschließen. Das ist als hoffnungslose Optimistin meine Lieblingsvariante.

Heutzutage gibt es so vieles, um das wir uns Sorgen machen könnten. Gerade junge Menschen plagen Ängste vor dem beruflichen Versagen, vor Geldproblemen oder Enttäuschungen in der Liebe. Wir sorgen uns um die Demokratie, den Regenwald und das Klima, fürchten die AfD, Kriege, Krankheiten und Korruption. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Erst am Dienstag habe ich folgende Schlagzeile gelesen: „Horror-Wanderung: Mann will pinkeln und wird von Wespen attackiert.“ Unfassbar, dass es so eine Nachricht in die Medien schafft. Bei all der Hysterie wird es immer schwerer zu erkennen, welche die wahren Herausforderungen des Lebens sind.

Alles ist irgendwie alarmierend, bedenklich oder krebserregend. Ist es nun schlimmer, mit einem E-Scooter oder einem Dieselauto durch die Stadt zu fahren? Was ist das geringere Übel: gesundheitsschädliche Milch zu trinken oder die Bauernhöfe sterben zu lassen? Und was hat negativere Auswirkungen: das Bienensterben oder doch die aggressiven Wespen, die Männer beim kleinen Geschäft im Wald stören? Ohne Zweifel: Medien müssen über Missstände berichten und sie aufklären. Das ist ihre Aufgabe. Dabei gilt (leider): Negatives ist interessanter als eine Friede-Freude-Eierkuchen-Reportage. Würde sich der HSV plötzlich in einen wirtschaftlich stabilen Zweitligaclub ohne Pleiten, Pech und Pannen verwandeln, würden nicht einmal halb so viele Menschen die dazugehörigen Geschichten lesen. Doch ganz ehrlich: Manchmal ist mir unsere Sicht auf die Welt zu pessimistisch. Um mich mehr auf die positiven Seiten des Lebens zu konzentrieren, habe ich mir vor Kurzem die „Good News“-App aufs Handy heruntergeladen.

Von Montag bis Freitag werden hier gute Nachrichten und lösungsorientierte Beiträge der deutschsprachigen Medien zu einer kompakten Tagesausgabe gebündelt. Hier gibt es Chancen statt Risiken serviert. Dabei stellt man schnell fest: So schlimm, wie es uns unsere subjektive Wahrnehmung weismachen will, ist die Welt nämlich gar nicht.

Natürlich können wir nicht nur erfreuliche Nachrichten konsumieren, das wäre realitätsfern. Aber ein bisschen mehr Leichtigkeit täte uns allen gut. In diesem Sinne: auf einen schönen Tag!