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Den Grips nutzen: Intelligenztest Sierichstraße

Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Wellmann

Abendblatt-Redakteur Jens Meyer-Wellmann

Foto: Bertold Fabricius

Hamburg. Die Hamburger sind die intelligentesten Deutschen. Das jedenfalls hat vor einer Weile eine vermutlich unwissenschaftliche Erhebung ergeben, über die t-online berichtete und die immer noch im Internet kursiert. Mit einem IQ von durchschnittlich 113 waren die Bewohner Hamburgs demnach cleverer als alle anderen Deutschen. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich die Hansestadt eine bundesweit einzigartige Besonderheit leistet, die Zehntausende Verkehrsteilnehmer täglich zur besonders intensiven Grips-Nutzung zwingt.

Gemeint ist die Sierichstraße, diese unechte Einbahnstraße, an der zweimal täglich die erlaubte Fahrtrichtung wechselt. Das wird seit Jahrzehnten so gehandhabt und hat sich laut Senat und Polizei bestens bewährt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch den Richtungswechsel kann der Straßenzug morgens und abends zweispurig einen größeren Teil des Berufsverkehrs in die und aus der Innenstadt aufnehmen. Die Grünen aber wollen das nun ändern. Für sie ist die Sierichstraße vor allem ein Unsicherheitsfaktor. Denn am Ende seien die Hamburger (Bremer Besucher wohl sowieso) mit dem dauernden Hin und Her und Hü und Hott überfordert. Eine Folge seien gefährliche Unfälle.

Man kann diese Frage aufwerfen. Gleichwohl scheinen die Probleme an der Sierichstraße an anderer Stelle gravierender. Es gibt auf dieser wichtigen Verbindung von Eppendorf und Winterhude in die City wenig Raum für den Fuß- und Radverkehr. Die Grünen-Forderung nach einer „Überplanung“ des Straßenzugs ist deshalb nachvollziehbar. Wenn dabei herauskäme, dass der begrenzte Platz nicht mehr für zwei volle Autospuren ausreicht, müsste über die Richtungsregelung womöglich ohnedies neu nachgedacht werden. Gefragt ist eine intelligente Lösung. Dürfte für Hamburger ja kein Problem sein.


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