Meinung
Verkehrswende

Der Irrsinn mit den Hamburger Harley Days

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblattes.

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblattes.

Foto: Andreas Laible

"Easy Rider" an der Elbe: Warum der Verkehrssenator und der rot-grüne Senat ein Glaubwürdigkeitsproblem haben.

Hamburg ist nicht nur eine grüne Metropole, Hamburg fühlt sich geradezu als Vorreiter in ökologischen Fragen. Wenn es darum geht, das Klima oder die Welt zu retten, marschiert gerade der grüne Umweltsenator Jens Kerstan vorneweg: Kaum waren Fahrverbote möglich, sperrte der Senator öffentlichkeitswirksam alle alten Diesel aus der Max-Brauer-Allee aus: Krankenschwestern auf dem Weg zur Arbeit, Handwerker unterwegs zum Kunden – sie alle mussten leider draußen bleiben und zum Schutz der Umwelt lange Umwege fahren.

Im März beschwor der Senator mit seinen Forderungen zum verschärften Lärmschutz am Flughafen sogar eine kleine Koalitionskrise herauf. Wenn es um den Wirtschaftsverkehr geht, ist Jens Kerstan sehr kritisch und hat ein feineres Näschen und sensiblere Ohren, als dem Koalitionspartner SPD lieb ist.

Harley Days: Verkehrswende geht anders

Seltsam nur, dass die Vorkämpfer für bessere Luft und weniger Lärm im Jahr 2019 kritiklos eine der unsinnigsten Veranstaltungen seit Erfindung des Schlagermove tolerieren: Seit Freitag belagerten Zehntausende Harley-Fahrer die Stadt, knatterten auch durch Wohngebiete, machten den Besuch von Straßencafés zu einer Tortur. Und warum das alles? Weil einige Motorradfreaks „Easy Rider“ aus Jux und Dollerei an der Elbe spielen wollen.

Für die Hamburger Hotellerie mögen die Harley Days vielleicht Wirtschaftsverkehr sein – für die Bewohner der Hansestadt sind sie eine Zumutung. Und für die Politik, den rot-grünen Senat wie den rot-grünen Bezirk, werden sie zum Glaubwürdigkeitsproblem. Fridays for Future! Und am Sonnabend auf die Harley? Die Verkehrswende werden sich nicht nur Umweltschützer anders vorgestellt haben