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Kommentar

Kreuzfahrtschiff blockiert – ein Pyrrhussieg für die Umwelt

Der Autor ist Redakteur der Lokalredaktion des Abendblatts.

Der Autor ist Redakteur der Lokalredaktion des Abendblatts.

Foto: Klaus Bodig / HA

Die Schiffsblockade in Kiel zeigt das Dilemma der Klimaschützer.

Natürlich hat es eine gewisse Ironie: Erst vor wenigen Wochen ruft Kiel den „Klimanotstand“ aus – da sorgen Umweltaktivisten für einen Polizeieinsatz, weil sie einen Kreuzfahrtriesen für Stunden im Hafen festgesetzt haben. Tatsächlich ist die Aktion ein berechtigter Hinweis darauf, wie Haltung und Handeln bei ökologischen Fragen in Hafenstädten wie Kiel und Hamburg zuweilen auseinanderfallen. Er zeigt aber auch ein Dilemma bei dem hehren Ziel, für das Klima einzutreten.

Denn die spektakuläre Aktion entpuppte sich schon am nächsten Morgen als Pyrrhussieg. Ein Kreuzfahrtschiff stößt nicht viel weniger Schwefel- und Stickoxide in die Luft aus, nur weil es gerade nicht fährt. Mehr noch: Um die Verspätung wieder auszugleichen, eilte die „Zuiderdam“ mit voller Maschinenlast und voller Umweltschädigung im Anschluss nach Kopenhagen. Im Ergebnis hat die Aktion dem Klima also unmittelbar geschadet. Die Rechnung für den zusätzlichen Treibstoff könnte die Kreuzfahrtreederei den Aktivisten noch in einem Zivilprozess präsentieren.

Das darf für alle anderen aber nicht bedeuten, bloß den Kopf über die Naivität der Umweltschützer zu schütteln. Und sich etwa als Hamburger darin zu sonnen, doch jüngst die Grünen gewählt zu haben. Seit Längerem paaren sich mit dem Engagement für Klimaschutz und dem Kreuzfahrtboom zwei Faszinationen in der Gesellschaft und sogar in einzelnen Köpfen, die nur schwer zusammenzubringen sind. Auch die Politik scheut da eine Seitenwahl – etwa ein nationales Verbot für Kreuzfahrtschiffe, ihren Strom während der Liegezeiten über Dieselgeneratoren zu erzeugen. Es bleibt richtig, dies zu kritisieren – aber wichtig, dafür eine sinnvolle Form zu wählen. Und vom Rest der Gesellschaft darf verlangt werden, nicht erst bei einer Blockade aufmerksam zu werden.