Meinung
Sportplatz-Kolumne

RB vs. FCB: Der Clásico der Zukunft

Sport-Autor Henrik Jacobs am Dienstag (03.05.2016) Foto: Roland Magunia

Sport-Autor Henrik Jacobs am Dienstag (03.05.2016) Foto: Roland Magunia

Foto: Roland Magunia

Warum das Duell im Pokalfinale zwischen Bayern München und RB Leipzig eine neue Ära im deutschen Fußball einleitet.

Es war im Februar 2016, also vor nur etwas mehr als drei Jahren, als RB Leipzig an einem Freitagabend in der Zweiten Liga beim FC St. Pauli spielte und am Ende mit 0:1 verlor. In der bemerkenswerten Leipziger Startelf standen damals Namen wie Peter Gulacsi, Lukas Klostermann, Willi Orban, Diego Demme, Marcel Sabitzer, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen. Bemerkenswert deshalb, weil diese sieben Spieler an diesem Sonnabend um 20 Uhr (ARD live) gute Chancen haben, im DFB-Pokalfinale zwischen Leipzig und dem FC Bayern München erneut in der Startelf zu stehen.

Genau zehn Jahre nach der Vereinsgründung mit dem Start in der Oberliga Nordost und drei Jahre nach der Niederlage am Hamburger Millerntor ist aus RB Leipzig innerhalb einer Rekordzeit ein nationaler Spitzenclub geworden, der sich gerade zum dritten Mal in Folge für den internationalen Wettbewerb qualifiziert hat, davon zum zweiten Mal für die Champions League. Und das nach nur drei Jahren in der Bundesliga. Am Sonnabend kann RB nun seinen steilen Aufstieg krönen mit dem ersten Titel der noch jungen Clubgeschichte.

Zugegeben: Man muss das Marketing-Konstrukt R(ed) B(ull) Leipzig mit dem mächtigen, aber politisch umstrittenen Brause-Konzern im Rücken nicht mögen. Man kann es auch ablehnen. Was man aber nicht machen kann: den Erfolg des Clubs nur auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten zu reduzieren. Denn genau das beweist die Entwicklung der Startelf vom Februar 2016 bei St. Pauli. Der Leipziger Erfolg ist das Ergebnis einer langfristigen Strategie und einer hervorragenden Arbeit auf allen Ebenen.

Es gehört nicht allzu viel Weitsicht und Prognosefantasie dazu, um vorherzusagen, dass das Duell zwischen dem deutschen Dauermeister Bayern München und dem deutschen Daueraufsteiger Leipzig am Sonnabend eine neue Ära im deutschen Fußball einleiten wird. Auch wenn der Begriff schon ziemlich abgedroschen ist, könnte man künftig sogar vom neuen deutschen Clásico sprechen, wenn sich München und Leipzig treffen. Der Süd-Ost-Schlager sozusagen. Borussia Dortmund wird sehr viel richtig machen müssen, um diesen Trend zu stoppen.

Leipzigs Nationalstürmer Timo Werner hat vor einigen Monaten einen interessanten Satz gesagt, als er auf einen möglichen Wechsel zu Bayern München angesprochen wurde. „Wenn man bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, kommt ja nur ein Verein infrage, zu dem man wechseln kann“, sagte Werner. Und meinte damit nicht Vizemeister Borussia Dortmund, der sich in dieser Woche für schlappe 50 Millionen Euro mit den beiden deutschen Nationalspielern Nico Schulz und Julian Brandt verstärkt hat. Werner sieht trotzdem nur die Bayern vor RB.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß wusste schon, warum er im November 2016 nicht nur den BVB, sondern auch RB Leipzig als neuen „Feind“ bezeichnete, den man jetzt
„attackieren“ könne. Hoeneß entschuldigte sich zwar für seine Wortwahl, inhaltlich war ihm aber schon damals klar, dass der Club um Macher Ralf Rangnick den Bayern perspektivisch gefährlich wird. Nicht umsonst wollen die Münchner Werner verpflichten, obwohl sie gar nicht wissen, ob sie den Konterstürmer in ihrem System überhaupt brauchen. Hauptsache, der „Feind“ ist geschwächt.

Dass Leipzig seinen Weg trotzdem unbeirrt weitergeht, zeigt Rangnicks Transferpolitik. 70 Millionen Euro nahm der Club vor dieser Saison ein (60 Millionen für Naby Keita, zehn Millionen für Bernardo). Und reinvestierte dieses Geld in fünf Neue: Amadou Haidara (20), Nordi Mukiele (20), Matheus Cunha (19), Marcelo Saracchi (20) und Tyler Adams (19). In der Startelf gegen die Bayern wird keiner von ihnen stehen. Die Namen stehen für die Zukunft von RB nach Werner, Forsberg oder Poulsen.

432,30 Millionen Euro beträgt der Gesamtmarktwert von RB. Vor drei Jahren waren es noch 35 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der HSV-Kader hatte 2015 noch einen Gesamtmarktwert von 115 Millionen Euro, heute sind es noch 59 Millionen Euro, trotz Investitionen von 86 Millionen Euro in vier Jahren.

RB Leipzig wird den Bayern daher nicht gefährlich werden, weil Rangnick sehr viel Geld ausgeben kann. Sondern weil er eine sehr klare Strategie verfolgt.