Meinung
Zwischenruf

"Knie heilt nie": Die Sehnsucht nach der Arztserie

Seit Anfang des Jahres plagen mich Knieprobleme. Meniskusriss rechts. Erst Schiene, dann Handballer-Bandage, letztlich doch Operation. Ambulanter Eingriff in einer Orthopäden-Praxis, der Operateur ist mit dem Heilungsverlauf zufrieden.

Kommt auf die Perspektive an. Mir dauert das alles doch zu lange. „Das braucht Geduld“, sagt der Mediziner. Nicht meine Stärke. „Knie heilt nie“, gibt eine Freundin in ihrer Eigenschaft als Arztgattin eine düstere Prognose ab.

Während ich in der Apotheke für ein Medikament zuzahle oder mühsam auf Krücken zum nächsten Arzttermin humpele, denke ich an die heile Welt der Arztserien im Fernsehen. Man wird doch wohl mal träumen dürfen. Wieso schaut man nicht auf das idyllische Alpenpanorama bei Ellmau, wenn man im Warteraum einer Notaufnahme sitzt, sondern nur auf einen Parkhaus-Zweckbau? Warum legt mir nicht der Bergdoktor tröstend die Hand auf die Schulter und behandelt mich sofort, weil er meinen Fall als lebensbedrohlich ansieht?

Stattdessen hetzt das medizinische Personal von Herzinfarkt zu kompliziertem Knochenbruch, gibt sein Bestes und lässt mich doch stundenlang warten. Knie? Nicht dringlich. Und wo ist eigentlich der Chefarzt, der im Film immer zufällig am Klinik-Empfang steht und gleich die verunsicherte Patientin unter seine Fittiche nimmt? Ich werde nur von einem mürrischen Verwaltungsmitarbeiter darauf hingewiesen, gefälligst den roten Pfeilen zu folgen.

Aus gesundheitlichen Gründen werde ich ein Verbot von Arztserien im Fernsehen fordern. Ich könnte bei den Freitags-Demos ein entsprechendes Schild hochhalten. Wenn ich wieder laufen kann. Und das kann noch dauern. Die Hoffnung stirbt zuletzt.