Meinung
Kommentar

Anarchie auf der Mönckebergstraße

Der jüngste Unfall zeigt Handlungsbedarf auf

Die Mönckebergstraße ist Hamburgs beliebteste Einkaufsstraße – und ein verkehrspolitisches Krisengebiet. Wer hier als Fußgänger, Busfahrer oder Radler unterwegs ist, muss – das zeigt nicht erst der tragische Unfall vom Mittwoch – mitunter um sein Leben fürchten: Busse und Fahrradfahrer liefern sich Wettrennen, überholen sich gegenseitig, scheren ein und aus. Taxis brausen durch die City und bremsen unvermittelt, viele Fußgänger laufen mit Handy vor der Nase und Knöpfen im Ohr wie ferngesteuert über die Straße. Und manche Autofahrer haben bis heute nicht mitbekommen, dass die Mönckebergstraße seit Anfang der 90er-Jahre nur noch für den Lieferverkehr freigegeben ist. Die Verkehrsberuhigung, die einst als Durchbruch gefeiert wurde, scheint längst wieder dahin. Auch wenn die Mö weit vom Verkehrschaos der 70er-Jahre entfernt ist, als die Straße noch vierspurig war und in der Mitte Straßenbahnen fuhren, besteht dringender Handlungsbedarf.

Die Politik hat das erkannt: Schon im Dezember haben SPD, CDU und Grüne in einem gemeinsamen Antrag in der Bezirksversammlung eine Verlagerung von Busstrecken vorgeschlagen. Tatsächlich bietet sich die parallel verlaufende Steinstraße als Ausweichstrecke geradezu an. Eine weitere Verkehrsberuhigung könnte die Mö endlich zu einer Flaniermeile machen, ein begrünter Fahrradstreifen die Straße zudem attraktiver und moderner gestalten.

Natürlich müssen die Sorgen der Geschäftsleute ernst genommen werden, die mit einer Verkehrsberuhigung auch eine Beruhigung des Geschäfts befürchten. Ein verbesserter Service, etwa wie die Waren anschießend zum Kunden kommen, könnte die Probleme indes minimieren. Denn eine attraktive Haupteinkaufsstraße ist die Visitenkarte einer Metropole.

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