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Kommentar

Autos raus: Nur Mut, Ottensen!

Elisabeth Jessen

Elisabeth Jessen

Foto: HA

Hamburg.  In Hamburg kommen bereits 43 Prozent der Haushalte ohne eigenes Auto aus. Wer aber in einem dicht besiedelten Viertel lebt, hat oft das Gefühl, dass die anderen 57 Prozent gerade alle in seinem Stadtteil unterwegs sind und verzweifelt einen Parkplatz suchen.

Das EU-Modellprojekt „Cities4People“ stellt nun die Fußgänger in den Mittelpunkt. Die Idee, das Zentrum von Ottensen für eine gewisse Zeit für den motorisierten Verkehr größtenteils zu sperren, ist mutig. Für die meisten Betroffenen kam die Ankündigung allerdings völlig überraschend, obwohl viele Bewohner Altonas nachdrücklich ein neues Verkehrskonzept für die engen Einkaufsstraßen gefordert hatten. Wer kein Auto besitzt, freut sich schon auf die Ruhe, auf weniger Lärm und Gestank. Das konkrete Vorhaben birgt dennoch Zündstoff. Anwohner mit eigenem Auto fragen sich nämlich, wo sie künftig mit ihrem Fahrzeug hinsollen. Denn wer keinen Tiefgaragen- oder Hinterhofstellplatz hat, muss außerhalb der Sperrzone parken. Aber auch dort sind Parkplätze Mangelware.

Die Stadt ist auf dem richtigen Weg, wenn sie versucht, mit Parkgaragen im Quartier besondere Konditionen für die Anwohner auszuhandeln. Die Autos lassen sich ja nicht wegdiskutieren. Aber es gibt nun mal kein Recht darauf, sein privates Fahrzeug kostenfrei im öffentlichen Raum abzustellen. Das muss man Anwohnern, die in angesagten, dicht bebauten Vierteln wohnen, vielleicht noch besser verdeutlichen. Auch Eigenheimbewohner in der Vorstadt, die einen Stellplatz direkt am Haus haben, haben dafür üblicherweise viel Geld bezahlt.

Das Recht von Fußgängern, in ihrem Viertel mehr Platz einzunehmen, braucht wohl einen unbequemen Schubs. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.