Meinung
Zwischenruf

Sixpack auf dem Sofa

Nichts, wirklich gar nichts geht über entspannte Wochenenden daheim auf dem Sofa. Du weidest dich an den Darbietungen des HSV im Pay-TV, die Fernbedienung auf die Plauze gebettet. Knackfrische Pistazien und eisgekühlte, Cola stehen in Griffweite. Zuckerfreie Cola. Sage keiner, dass du nicht an deine Gesundheit denkst. Dieser frühe Nachmittag, das steht fest, ist dein Freund.

Bis sich die Haustür öffnet – und die Tochter erscheint. Sie kommt bei Starkregen aus dem Fitnesscenter angeradelt. Erschöpft, indes taufrisch. Was stand denn auf dem Programm? Wieder diese teuflische Mischung aus Aerobic und lateinamerikanischen Tanzelementen? Oder Bauch, Beine, Po, dem Vernehmen nach ein Folterprogramm. Theoretisches Fachwissen ist also durchaus vorhanden. Zum Beispiel über die zeitlos angesagte Feldenkrais-Methode, die vergleichsweise erholsame Klangschalentherapie oder über Selbstertüchtigung wie Sivanda Yoga. Letzteres beeindruckt wegen intensiver Pausen – um die positive Wirkung nachzufühlen.

In der Pause des ermüdenden Kicks ergibt sich unerwartet eine Lehrstunde für in die Jahre gekommene Säcke. Was gibt’s denn sonst noch so für Exerzitien? Beinharte Nummern wie Capoeira, eine ursprünglich als Tanz getarnte Kampfkunst südamerikanischer Sklaven. Oder qualvolle Lust namens Body Pump, ein Kraft- und Ausdauertraining mit Langhanteln zu rasanter Musik und wechselnder Choreografie.

Diesmal, entgegnet die 16-Jährige schließlich, war der Kursus Pump & Shape an der Reihe. Allein der Name führt zum sofortigen Schweißausbruch. Und anschließend? Erholung im Restaurant? „Nein, danach gab’s Sixpack.“ Aha. Diese Sprache versteht der Vater hervorragend. Oder doch nicht?