Meinung
Glosse

Häsinnenfest mit Hanseatenrolle

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Der Autor ist Chefreporter beim Abendblatt.

Foto: Michael Zapf

Warum trägt ein Museum einen Namen aus Buchstabensalat? Was muss alles noch umbenannt werden? Ein Zwischenruf.

Ganz ehrlich, Wolle hat reichlich Unsinn erzählt in seinem annähernd 60-jährigen Leben. Aber wo er recht hat, hat er recht. „Das ist diskriminierend“, philosophierte er während unseres zünftigen Skatabends in die Runde. Verblüffte Blicke der Kumpels quittierte Wolle mit einem Fingerzeig auf die beiden Fischdosen, die Gastgeber Lupo zu fortgeschrittener Stunde auf den Tisch des Hauses stellte. „Hanseatenröllchen“ stand auf der Blechverpackung. Inhalt: handgerollte Heringsfilets vom Feinsten.

„Warum diskriminierend?“, fragten wir anderen drei unisono. „Na ja“, grunzte Wolle – und deutete vielsagend auf unsere Plauzen. Diese Leibeswölbungen, befand er vor der finalen Bockrunde, seien wahrhaftige Hanseatenröllchen. „Mehr Rollen als Röllchen“. Das saß. Was folgte, war klar: eine heftige, zum Schluss ausufernde Diskussion.

Ein Name aus Buchstabensalat

Warum trägt das namhafte Museum für Völkerkunde jetzt einen Namen aus Buchstabensalat, den sich keiner merken kann? Warum untersagte das Verwaltungsgericht Koblenz im vergangenen Jahr einem Bürger die Umbenennung in „James Bond“? Darf Otfried Preußlers Bestseller wirklich noch „Kleine Hexe“ heißen? Hat Haribo tatsächlich Lakritztaler in Form afrikanischer Masken auf den Markt gebracht? Und: Neben Indianern und Cowboys haben am Rosenmontag bald auch Seeräuber oder Ölprinzen nichts mehr zu suchen. Schleicht euch!

Lupo holt Erdnusslöckchen aus dem Geheimversteck (die Ehefrau!); dann bringt er Politiker ins Spiel, die Weihnachten in „Winterfest“ umbenennen wollen. Der Toleranz halber. „Dann könnte Ostern in ,Hasenfest‘ umgetauft werden“, wirft Wolle ein. Schlechte Idee. Weil politisch unkorrekt und diskriminierend. ,Häsinnenfest‘ dagegen, das würde laufen. Andererseits ...