Meinung
Zwischenruf

Sauna Challenge: Wo die Abgebrühten dampfen

Wie wär's mit einem garantiert gewaltfrei gerührten Hot-Chili-Smoothie aus der ersten biodynamischen Frauenkolchose Usbekistans?

Oft wird ja behauptet, gleich werde es richtig „heiß“ – und dann geht es doch nur wieder um ein textilminimiertes Musical auf dem Kiez oder einen garantiert gewaltfrei gerührten Hot-Chili-Smoothie aus der ersten biodynamischen Frauenkolchose Usbekistans. Enttäuschend, klar. Aber heute, versprochen, stimmt’s mal. Es wird heiß! Denn die vielleicht heißeste Meisterschaft der Stadt steht bevor: die 4. Hamburger Sauna Challenge.

Beim Jahrestreffen der Abgebrühten, dem Gipfel der Aufguss-Elite, dem Grand Prix de la Chaleur reiten die besten Hamburger Saunameister die Hitzewelle. Im Festland an der Holstenstraße kitzeln sie Ende März die letzten Grad Celsius aus der Schwitzstube, um den besten Show-Aufgießer, den amüsantesten Entertainer und das perfekte Aufguss-Duo aus dem Teilnehmerfeld zu transpirieren. Auge um Auge, Schweißperle um Schweißperle. Angekündigt werden „Aufgüsse der Extraklasse“, „innovative Düfte“ und „einzigartige Wedeltechniken“. Renommierte „Gast-Aufgießer“ sollen zeigen, was andernorts, nun ja, der heiße Scheiß ist. Denn Saunieren – so viel steht fest – muss heute mehr sein als: Zisch! Puff! Aaaaah!

Völlig offen ist, ob Aufguss-Vorjahressiegerin Svenja aus Harburg wieder auf den dreifach gewedelten „Khaleesi“ setzt oder zum doppelt eingesprungenen lettischen Lutz tendiert. Für eine finnische Eröffnung müsste sie ungewöhnlich weit links aufgießen, um es nach Kiefernwald im Sommerregen bei Südwestwind duften zu lassen. Der an Zitronengras erhitzte Salchow wäre da die einzig sinnvolle Alternative, darf aber nur rückwärts mit verbundenen Augen bei Neumond zur Aufführung kommen.

Möglicherweise überrascht sie deshalb alle anderen Saunameister mit bestechender Einfachheit. Unser Tipp: Sie flankt den Aufguss halbhoch in die Mitte und köpft ihn humorlos ins rechte, obere Ofeneck.