Meinung
Kommentar

Jesus lebt? Heillose Heilsarmee

Der Umgang mit Mietern muss korrigiert werden

Die Heilsarmee ist ganz offensichtlich in einer Notlage. Viel zu lange hat sie die Sanierung ihres fast 130 Jahre alten Gebäudes an der Talstraße aufgeschoben. Man habe das Geld, das man eigentlich in die Immobilie hätte stecken müssen, an Menschen in Not gegeben, heißt es heute bei der Heilsarmee selbstkritisch. Es ist eine Kritik mit eingebautem Eigenlob: „Wir haben doch nur helfen wollen.“

Im Spannungsfeld zwischen Selbsterhalt und Selbstaufgabe arbeitet nun allerdings jede wohltätige Organisation. Am Ende kann sie nur wirken, wenn die Finanzen stimmen. Bei der Heilsarmee ist das offenbar nur noch bedingt der Fall. Deshalb müssen nun Spenden her, um die Riesenaufgabe der Sanierung zu stemmen. Deshalb müssen neue Mieter her, die über höhere Mieten den Baukostenkredit finanzieren sollen. Ausbaden müssen das diejenigen, die mit dem ganzen Schlamassel nichts, aber auch gar nichts zu tun haben: die letzten verbliebenen Mieter in der Talstraße.

Mit dem eigentlichen Auftrag der militärisch organisierten Heilsarmee, deren Mitglieder Soldaten heißen, hat das alles nichts zu tun. „Fürsorge für die Menschen“: Dieses Ziel wird im „Mission Statement“ der aus England stammenden Organisation genannt. Für die Mieter im eigenen Haus gilt das offenbar nicht. Für die gibt es überfallartige Presslufthammereinsätze.

„Die guten Geister vom Kiez“: So lassen sich die pittoresk uniformierten Heilsarmisten auf St. Pauli gern bezeichnen. „Jesus lebt“ liest man über dem Eingang zum „Headquarter“ der Wohltätigkeitsorganisation. Der Umgang mit den Mietern in dem stattlichen Gebäude spricht allerdings eine andere Sprache. Die Heilsarmee scheint von allen guten Geistern verlassen zu sein.

Jesus lebt? Gesichert ist vorerst nur, dass die Krämerseelen leben.