Meinung
Zwischenruf

Wir sind reif für den Rathausbalkon

Schluss mit dem Gelaber. Am Wochenende haben wir Nägel mit Köpfen gemacht – und eine Mail an die Senatskanzlei geschrieben. Wir, das sind Wolle und ich. Unsere Bitte an das Bürgermeisterbüro: Wir möchten gerne auf den Rathausbalkon. Einmal ganz oben sein. Und umjubelt werden. Grund dieser Anfrage ist ein Skatturnier neulich in der Eckkneipe unseres Vertrauens. Gemeinsam mit Kumpel Lupo belegten Wolle und ich den ersten Platz in der Mannschaftswertung. Dafür gab es einen in Folie eingeschweißten Kassler-Nackenstrang, eine Pulle italienischen Magenbitter – und einen HSV-Schal.

Dieses überwiegend blau gestrickte Fan-Utensil ließ – zu fortgeschrittener Stunde – die Idee keimen. Beflügelt von der Debatte um das Ausmaß der Festivitäten, die aktuell in und außerhalb des glorreichen HSV geführt werden. Ein Spitzenplatz in der Zweiten Liga, so der Tenor, könnte der willkommene Anlass für ein Volksfest erster Klasse sein. Reif für den Rathausbalkon. So wie letztmals vor schlappen 36 Jahren, als die Heroen in der guten Stube unserer Hansestadt richtig groß abgefeiert wurden. Diesmal darf’s ein Nümmerchen kleiner sein. Angeblich hat der Bürgermeister, bekanntlich gebürtiger Bremer, bereits sein Jawort gegeben. Ein klares Bekenntnis zur Zweitklassigkeit.

„Dann dürfen wir das auch“, grunzte Wolle und hob seinen Humpen mit Frischgezapftem. Zustimmendes Nicken. An Ort und Stelle begannen wir mit der Planung. Auf einem Bierdeckel. „Was ist, wenn die uns nicht lassen?“, warf Lupo ein. „Dann gehen wir einmal ums Gebäude rum“, entgegnete Wolle, „und lassen uns auf dem Balkon der Handelskammer hochleben.“ Für die Strategen dort, befand er, sei sogar die dritte Klasse ganz weit oben.