Meinung
Kommentar

Schwarzfahren ist zu einfach

Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt. Denn Schwarzfahrer nehmen Leistungen in Anspruch, für die die anderen Fahrgäste viel Geld bezahlen. Würden alle, die Busse und Bahnen in Hamburg nutzen, tatsächlich für ihre Beförderung bezahlen, dann gingen die Einnahmen kräftig nach oben.

Allerdings ist das Tarifsystem des HVV so kompliziert, dass es selbst mit Hochschulabschluss nicht einfach zu durchschauen ist. Teuer ist der öffentliche Nahverkehr definitiv. Besonders kräftig werden Familien zur Kasse gebeten. Kinder ab 14 Jahren müssen bereits Erwachsenentickets lösen, und auch von Schülerfreifahrt wie andernorts können Familien hier nur träumen.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Schwarzfahrer konstant hoch bleibt. Dass es unter den ertappten Schwarzfahrern immer welche geben wird, bei denen nichts zu holen ist, muss man vermutlich hinnehmen. Sie haben kein Geld; sie einzusperren würde sie auch nicht läutern.

Schwarzfahrern wird es zudem sehr leicht gemacht. Die Idee, dass alle beim Busfahrer ihre Fahrkarte vorzeigen müssen, ist in Hamburg nicht zu Ende geführt. Anders als in anderen europäischen Me­tropolen muss hier am U- und S-Bahn-Eingang niemand sein Ticket vorzeigen. Doch es würde die Zahl der Schwarzfahrer rasant reduzieren. Wenigstens bei den Stationen der neuen U 5 sollte man Zugangssperren gleich mitbauen.

In den letzten Monaten wurde viel über die Idee des 365-Euro-Jahrestickets, das in Wien ein großer Erfolg ist, diskutiert. Hamburg lehnt diesen Vorschlag vehement ab. Aber zur Fahrpreisgerechtigkeit würde gehören, dass Pendler aus der Metropolregion, die etwa aus Stade, Uelzen oder Lüneburg kommen, eben merklich mehr bezahlen müssten als Großstädter, die nur wenige Kilometer mit Bus und Bahn fahren. Das wäre der Zahlungsbereitschaft sicher förderlich.