Hamburg

Deutlich mehr Schwarzfahrer: HVV kündigt neues Prüfsystem an

„Die Fahrkarten bitte“: Ein Mitarbeiter des Prüfdienstes kontrolliert die Fahrgäste in einer U-Bahn.

„Die Fahrkarten bitte“: Ein Mitarbeiter des Prüfdienstes kontrolliert die Fahrgäste in einer U-Bahn.

Foto: picture alliance

Quote der erwischten Schwarzfahrer auf fünf Prozent gestiegen. Hoher Anteil in den S-Bahnen. CDU sieht dringenden Handlungsbedarf.

Hamburg.  Fahren ohne Fahrkarte liegt in den Hamburger Bussen und Bahnen offensichtlich im Trend. Die Schwarzfahrerquote im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Hansestadt ist nach Abendblatt-Informationen im vergangenen Jahr auf fünf Prozent gestiegen. 2017 waren es noch 4,5 Prozent, 2016 sogar nur 4,2 Prozent. Das liegt vor allem an der Hamburger S-Bahn: Dort wurden 83.359 Schwarzfahrer erwischt, im Vorjahr waren es noch 67.593.

Diese Zahlen gehen aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des CDU-Verkehrsexperten Dennis Thering hervor. Er sieht dringenden Handlungsbedarf: „Das inzwischen fünf Prozent aller Fahrgäste in Hamburg ohne gültigen Fahrausweis unterwegs sind, ist nicht länger zu akzeptieren. Hier muss der Kontrolldruck in der Hansestadt deutlich erhöht werden, wie es bei der S-Bahn bereits geschehen ist.“ Dass bei der Hochbahn die Zahl der Kontrollen zurückgegangen ist, sei deshalb ein falsches Signal, sagte Thering.

Mehr Kontrollen in Hamburgs S-Bahnen

Aus der Antwort auf die Anfrage geht hervor, dass die S-Bahn die Zahl ihrer durchgeführten Kontrollen von 71.400 auf 81.300 Stunden gesteigert hat. Bei der Hochbahn gingen diese von 137.718 auf 135.581 Stunden zurück. Auch die Zahlungsmoral der Schwarzfahrer ist schlecht: Von den im vergangenen Jahr verhängten Bußgeldern in Höhe von insgesamt rund 6,488 Millionen Euro – wobei sich 3,578 Millionen Euro auf die S-Bahn, 2,577 Millionen Euro auf die Hochbahn und 333.539 Euro auf die VHH verteilen – wurden lediglich 3,839 Millionen Euro von den Schwarzfahrern beglichen.

Das sind für die Verkehrsunternehmen entgangene Einnahmen von mehr als 2,6 Millionen Euro: „Es ist unverständlich, dass der Senat bei der Ahndung des Schwarzfahrens offensichtlich immer nachlässiger wird. Erschreckend ist auch, dass die Verurteilungen von Schwarzfahrern seit Regierungsübernahme der SPD 2011 extrem rückläufig sind“, sagte Thering. Während die Staatsanwaltschaft 2011 noch 10.683 Verfahren gegen Schwarzfahrer einleitete, von denen 2210 verurteilt wurden waren es 2017 nur noch 559 Verurteilungen bei 8882 Fällen.

Für Thering steht fest: „Es ist nicht länger zu akzeptieren, dass SPD und Grüne einerseits die Fahrpreise Jahr für Jahr extrem erhöhen und die brav zahlenden Fahrgäste immer mehr zur Kasse gebeten werden, während immer mehr Schwarzfahrer ungeschoren davonkommen.“ Die Fahrpreise wurden zuletzt zum 1. Januar 2019 durchschnittlich um 2,1 Prozent angehoben.

Busse erhalten elektronische Prüfsysteme

Nach Angaben des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) entsteht durch Schwarzfahrer jedes Jahr wegen entgangener Fahrgeldeinnahmen ein Schaden von etwa 20 Millionen Euro. Auch Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) kennt die Problematik: „Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt und schadet den 95 Prozent ehrlichen Fahrgästen und Verkehrsunternehmen. Denn sie müssen am Ende für die entgangenen Einnahmen aufkommen. Dass die Schwarzfahrerquote gestiegen ist, verdeutlicht, dass intensive Kontrollen weiterhin aufrechtzuerhalten sind.“

Auf Abendblatt-Anfrage kündigte Rieckhof an: „Um Schwarzfahren weiterhin zu bekämpfen, feilen die Verkehrsbetriebe an ihren Prüfkonzepten. Zudem werden die Busse mit elektronischen Prüfsystemen ausgestattet.“

Viele Schwarzfahrer in Harburg, wenige in Blankenese

Für Aufsehen sorgte auch der sogenannte Prüfmarathon des HVV, den es allerdings im vergangenen Jahr nicht gab. Bei der letzten Großkontrolle dieser Art waren im Juni 2017 rund 300 Kontrolleure im Einsatz. 15.542 Fahrgäste wurden damals an U- und S-Bahnhöfen kontrolliert. Davon hatten 607 keine gültige Fahrkarte dabei. Die meisten Schwarzfahrer wurden bei dem Prüfmarathon in Harburg erwischt, die wenigsten in Blankenese.

Unterdessen gibt es noch eine gute Nachricht: Der HVV-Tarif für Zeitkarten gilt ab dem 15. Dezember 2019 bis auf wenige Ausnahmen auch in den Landkreisen Uelzen, Heidekreis, Rotenburg und Cuxhaven im regionalen Bahnverkehr. Eine entsprechende Vereinbarung haben Hamburg und Niedersachsen am Donnerstag in Uelzen unterzeichnet. Die Länder und Landkreise ermöglichen die günstigeren Fahrkarten mit einer jährlichen Millionenförderung.