Meinung
Leitartikel

Die Science City: Wissenschaft für alle?

Der Autor ist Mitglied in der Landespolitik

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Foto: Andreas Laible / HA

In der Science City Bahrenfeld sollten Forscher und Firmen die Bürger einbinden. Wie das gelingen kann.

Wissenschaft als Motor der Stadtentwicklung – das ist gerade in Hamburg ein guter Ansatz. Denn auf ihre Schlüsselbranchen allein, insbesondere die maritime Wirtschaft, wird sich die Hansestadt künftig nicht mehr verlassen können. Die Hamburger Wissenschaft in einer „Science City“ enger mit der Wirtschaft zu verzahnen, ergibt besonders Sinn in Bahrenfeld, weil es dort bereits Spitzenforschung mit Hightech-Instrumenten gibt. Das beschert Hamburg zunehmend Aufmerksamkeit aus dem Ausland und lockt exzellente Biophysiker, Laserexperten, Nano- und Materialwissenschaftler an.

Dass der Senat in seinem Konzept für die Science City Bahrenfeld großes Augenmerk auch auf das Wohnen legt, ist sehr löblich. Dem sehr erfolgreichen Berliner Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof mit seinen sechs Uni-Instituten, zehn außeruniversitären Forschungseinrichtungen und mehr als 1000 technologieorientierten Firmen mangelte es aus konjunkturellen Gründen lange an Wohnungen – erst seit wenigen Jahren ist das Areal ein gemischt genutztes Stadtviertel.

Ein Technologiepark als quirliges Wohnquartier

Hamburg hat nun die Chance, seinen ersten großen Wissenschafts- und Technologiepark von Beginn an auch zu einem begehrten und quirligen Wohnquartier zu machen.

Aus räumlicher Nähe zur Wissenschaft allein ergibt sich allerdings noch nicht die nötige Unterstützung durch die Zivilgesellschaft. Eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft birgt auch Gefahren – zumindest für die Wissenschaft: Mögliche finanzielle Interessen von Forschenden und ihre Abhängigkeit von Geldgebern können dem Vertrauen in die Wissenschaft schaden, wie Studien zeigen.

Es gibt zwar den Wunsch, dass Wissenschaft wirtschaftlich nützlich sein möge, aber eben auch die große Sorge, dass Forscher ihre Arbeit an Wünschen von Sponsoren ausrichten oder Geldgeber aus der Industrie in ihrem Sinne die Forschung beeinflussen.

Virtueller Rundgang durch die Science City Bahrenfeld
Virtueller Rundgang durch die Science City Bahrenfeld

Wollen alle die Künstliche Intelligenz?

Diese Sorge wird unter Umständen dadurch verstärkt, dass schon jetzt einige Firmen zusammen mit Forschern in einem derart rasanten Tempo neue Technologien entwickeln, dass längst nicht alle Menschen mitkommen – und ohne dass klar ist, ob wirklich viele Menschen bestimmte neue Technologien auch wollen. Ein Beispiel für solche umstrittenen Entwicklungen ist die sogenannte künstliche Intelligenz.

Wissenschaft darf nie zu einem Wunschkonzert werden, in dem Lösungen für bestimmte Probleme bestellt werden. Forschung muss nicht in erster Linie wirtschaftlich nützlich sein. Es muss immer auch um Fortschritte im wissenschaftlichen Verständnis der Welt gehen. Ein Beispiel dafür ist der Nachweis von Gravitationswellen, an dem übrigens Hamburger Forscher beteiligt waren.

Wenn die engere Verzahnung von Wissenschaft, Wirtschaft und Wohnen ein Gewinn für Hamburg als Wissenschaftsmetropole werden soll, sollten sich Forschungs- und Entwicklungslabore in der Science City Bahrenfeld weitestmöglich öffnen und Raum für Debatten geben.

Das stärkt bei Forschern wie Firmen das Verständnis für die Fragen, Wünsche und Sorgen der Bürger – und erhöht die Bereitschaft zur Unterstützung in der Gesellschaft. Veranstaltungen wie „Wissen vom Fass“ einmal pro Jahr und die „Nacht des Wissens“ alle zwei Jahre fördern zwar den Austausch zwischen Bürgern und Hochschulen. Speziell in Bahrenfeld könnte jedoch erheblich mehr Vermittlung nötig sein, um ein gutes Wohn- und Wissensklima zu schaffen.

Peter Tschentscher zur Science City: "Es ist ein Masterplan"
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