Meinung
Zwischenruf

Wo der Nandu den Wolf schlägt

Während wir uns alle immer hektischer fragen, wie es bloß mit dem Wolf weitergehen soll, während sich Wolfs­experten über Wolfsmanagementpläne beugen, während in Wolfsbüros immer neue Wolfsakten angelegt werden, während sich jedes tote Schafe in Norddeutschland aufwendigen gentechnischen Tests unterziehen muss, um die Frage zu klären, ob es einem Wolfsriss zum Opfer gefallen ist, während wir also mit aller Macht versuchen, den Wolf in ein Regelgehege zu zwängen, kommt ein anderes Tier derzeit ziemlich ungeschoren davon: der Nandu.

Der südamerikanische Laufvogel sprintet locker unter unserem Aufmerksamkeitsradar hindurch. Er ist eines der wenigen Tiere, die sich – abgesehen vom Pudel – gerade pudelwohl fühlen in Norddeutschland. Das legen aktuelle Zahlen nah. Denn kurz vor Weihnachten erging der Aufruf an die im Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe lebenden Vögel, dass jedermann sich schätzen ließe, ein jeder auf seinem Feld. Ergebnis: Statt 205 Nandus wie noch im Frühjahr waren es plötzlich 566. Nanu, Nandu! Wie hätte wohl Kaiser Augustus auf diese enorme Geburtenrate reagiert? Vielleicht so: „Was habt ihr eigentlich den ganzen Sommer über gemacht?“

Nun, der Nandu hat ihn einfach genossen. Ältere Tiere sollen sich ganz stark an Südamerika erinnert gefühlt haben. Diese Hitze! „Jetzt sind wir endlich angekommen“, heißt es. Und im Rausch des Supersommers sind – nun ja – lauter kleine Nandus entstanden. In China mag 2018 das Jahr des Hundes sein. In Norddeutschland ist es das Jahr des Nandus. 566 Tiere! Da schlägt der Nandu den Wolf locker aus dem Feld.