Meinung
Hamburger Kritiken

Warum Merz der CDU gut zu Gesicht stünde

Deutschland diskutiert zu wenig über die Leistungen seiner Manager. Da könnte ein Politiker helfen, der etwas von Wirtschaft versteht.

Wir leben manchmal in einem seltsamen Land: Da skandalisieren manche Friedrich Merz’ Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz, weil er Millionär ist und bei einem US-Vermögensverwalter gearbeitet hat. Offenbar bevorzugen viele Deutsche Sozialarbeiter oder Verbandsvertreter in der Politik und favorisieren die übliche Vita aus Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Sie übersehen die Bereitschaft, für deutlich weniger Geld deutlich mehr zu arbeiten. Sie missverstehen den Mut, sich in die Öffentlichkeit zu begeben und am Ende für die Taten Rechenschaft abzulegen. Kurzum: Sie verstehen Merz nicht.

Tatsächlich ist das Leben als Manager viel bequemer: Da kann man verantwortungslos vor sich hin wurschteln, wird deutlich besser bezahlt und muss die Wähler nicht fürchten, sondern höchstens den Aufsichtsrat. Wobei „fürchten“ da ein starkes Wort ist.

Der Leverkusener Konzern Bayer hat am Donnerstag angekündigt, weltweit rund 12.000 Stellen abzubauen – die meisten in Deutschland. Auch wenn das Chemieunternehmen an vielen Fronten zu kämpfen hat, der Kern des Problems lässt sich am Kurszettel ablesen und heißt Monsanto. Jeder Zeitungsabonnent wusste um den zweifelhaften Ruf des US-Saatgutkonzerns und Erfinders von Glyphosat. Es kam, wie es kommen musste: Die Kläger gegen Monsanto feierten einen ersten Erfolg in den USA – seitdem ist der Kurs um ein Drittel eingebrochen. Eigentlich müsste Konzernchef Werner Baumann der erste der 12.000 sein.

Deutsche Bank – krankgeschrumpft von Managern

Es gibt nur ein Unternehmen im Deutschen Aktienindex, das noch mehr verloren hat als Bayer: die Deutsche Bank. Allerdings wäre es unfair, dies dem jetzigen Vorstandschef Christian Sewing anzulasten. Er muss die Trümmer beiseiteräumen, die seine Vorgänger hinterließen – allen voran Josef Ackermann, der die Bank von 2002 bis 2012 führte. Der Schweizer hatte 2005 das fatale Ziel ausgegeben, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erzielen. Schon damals kritisierten viele Experten dieses übergeschnappte Ziel, das nur mit extremem Risiko zu erreichen sei – und mit einer grenzwertigen Unternehmenskultur.

Die Deutsche Bank ist das Risiko gegangen und muss bis heute dafür zahlen: Sie war in die Subprime-Krise mitverwickelt, die die Weltfinanzkrise auslöste. Ackermann war es auch, der die deutsche Politik 2008 mit der Aussage brüskierte: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“ Heute ist die Deutsche Bank, einstmals größtes Finanzinstitut der Welt, längst aus den Top Ten herausgerutscht – krankgeschrumpft von seinen Managern.

Autohersteller verschlafen Elektromobilität

Wie steht es eigentlich um den Stolz der deutschen Wirtschaft, die Automobilindustrie? Sie hat den Trend zur Elektromobilität verschlafen – auch weil Manager und Gewerkschaften lange am Diesel festhielten. In dieser Woche veröffentlichte die Unternehmensberatung EY eine Studie, die aufhorchen lässt. Die deutschen Autohersteller haben ihre Führungsposition eingebüßt. Schon vor Wochen warnte VW-Chef Herbert Diess: „Aus heutiger Sicht stehen die Chancen vielleicht bei 50:50, dass die deutsche Automobilindustrie in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehört.“ Dieses Mal muss man hoffen, dass der Manager falschliegt.

Es scheint auch niemanden groß zu stören, dass eine Perle der deutschen Industrie, Linde, mit Prixair fusionierte und ihren Sitz von München nach Dublin verlagert hat. Standortdebatten führt heute ja niemand mehr – das erleichtert den Managern das Leben. So groß, wie mitunter das Selbstbewusstsein der deutschen Spitzenkräfte ist, so überschaubar sind ihre Erfolge: Der Dax ist mit einem Minus von zwölf Prozent einer der schwächsten Länderindizes.

Und wo sind die digitalen Erfolgsgeschichten? Wir haben uns längst damit abgefunden, dass die Erfolgsgeschichten – Apple, Google, Amazon oder Facebook – aus den USA kommen; auch die wenigen europäischen Stars wie Spotify oder Skype stammen nicht aus Deutschland. Die CeBIT wurde diese Woche übrigens auch begraben.

Vielleicht würde der CDU ein Politiker ganz gut zu Gesicht stehen, der etwas von Wirtschaft versteht – das Land wird diese Sachkenntnis bald brauchen.