Meinung
Leitartikel

Shisha-Bars sind keine harmlosen Jugendtreffs

Der Boom der Shisha-Bars in Hamburg wirft Fragen auf – auch zu Kriminalität und Integration.

Endlich Wochenende, der Abend bricht an – und die Sorgen vieler junger Hamburger lösen sich buchstäblich in Rauch auf. Während so mancher Jugendtreff gespenstisch leer daliegt, ziehen sie in Shisha-Bars, wo die Wasserpfeifen blubbern, die Musik dröhnt und sich das Publikum im Frucht-Tabak-Nebel mischt. Normalos und kriminelle Gestalten sitzen zuweilen nur einige Kissen voneinander entfernt.

Darf die Stadt diesen Trend tolerieren – oder muss sie einschreiten? Und verträgt es unsere Stadt, wenn ganze Straßen wie zum Beispiel die Wandsbeker Chaussee zur Shisha-Meile werden?

Die Antworten müssen vielschichtiger ausfallen, als den Boom der Shisha-Bars zum Fanal für die Islamisierung der Hansestadt zu hysterisieren oder ihn auf der anderen Seite als bloße Mode abzutun, die irgendwie schon vorbeigehen wird. Es braucht vielmehr Gelassenheit genauso wie Vorsicht. Nein, Shisha-Bars sind nicht per se Schattenwelten, in denen die Jugend zu kriminellen Kettenrauchern mutiert. Aber ja, sie bergen Gefahren und werfen Fragen auf, am Ende auch zu Integration und Stadtentwicklung.

Über einen Fakt darf es dabei keine zwei Meinungen geben: Shisha-Bars zu besuchen gefährdet die Gesundheit. Die Grenzwerte für Kohlenmonoxid werden himmelschreiend überschritten, heißt es aus den Bezirksämtern. Es wird reagiert – mit Kontrollen und einem neuen Regelwerk. Das ist richtig, aber überfällig. 60 neue Shisha-Betriebe haben in den vergangenen drei Jahren eröffnet und machen bislang gute Geschäfte, ohne sich allzu viel mit Bürokratie herumschlagen zu müssen. Andere Gastwirte mit Schanklizenz, deren Überlebenskampf noch von behördlichen Auflagen verschärft wird, muss das zu Recht bitter stimmen.

Wo Shisha-Bars zu den Keimzellen Krimineller gehörden

Auf der anderen Seite reihen sich Shisha-Bars nur ein in eine Phalanx von Phänomenen, bei denen der Genuss die Vernunft schlägt. In deutlichen Ansätzen ist aber zu erkennen, dass sie tieferliegende Gefahren bergen. Da ist ein Wechselsystem aus illegalen Tabak-Herstellern und Bars, die den unversteuerten Nachschub gern abnehmen. Da sind warnende Beispiele aus Berlin und dem Ruhrpott, in denen Shisha-Bars zu den Keimzellen gehörten, aus denen inzwischen unkontrollierbare Kriminalität und eine Parallelwelt von Clans wuchs. Da sind auch schlicht das Gehabe und der Lärm der Autoposer-Klientel, die die Shisha-Bars und die umliegenden Straßen gleichermaßen als ihr Wohnzimmer begreifen.

In der Verwaltung wird etwa die Ballung der Shisha-Bars an der Wandsbeker Chaussee damit erklärt, dass sich anderes Gewerbe dort nicht gehalten hätte. Sie ist aber auch Zeugnis davon, dass die Stadt es in einigen Fällen nicht schafft, städtebauliche Anreize für eine gesunde Mischung der Geschäfte zu geben. Die Warnung des Mitte-Bezirksamtsleiters Droßmann, dass Eintönigkeit den Charakter der Stadtteile zerstöre, klingt harsch, ist aber unbedingt ernst zu nehmen.

Wenn die Stadt den Anspruch hat, ihr Erscheinungsbild und ihre Sicherheit selbst zu gestalten, ist mehr nötig als neue Grenzwerte beim Stickoxid. Die Polizei braucht einen langen Atem dabei, die Milieugestalten in einigen Bars und Lounges zu stören.

Und es muss der Frage nachgegangen werden, warum viele Jugendliche mit Migrationshintergrund mehr Interesse an Bräuchen wie dem Wasserpfeiferauchen finden als ihre Eltern. Denn klar ist: Wo junge Leute ihre Wochenendabende verbringen, entscheidet sich daran, wo sie sich zugehörig fühlen.