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Summit in Hamburg: Stirbt der China-Gipfel?

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort des Hamburger Abendblattes.

Oliver Schade leitet das Wirtschaftsressort des Hamburger Abendblattes.

Foto: HA / Andreas Laible

Der Summit in Hamburg ist umstritten. Nur die Wirtschaft kann ihn noch retten.

Die Idee zu einem regelmäßigen Gedankenaustausch über die europäisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen in seiner Heimatstadt hatte kein geringerer als Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Seit 2004 findet auf seine Initiative hin und mit Unterstützung der Handelskammer alle zwei Jahre der sogenannte Summit in Hamburg statt. Ein Format, über das man streiten kann. Denn schließlich gibt man einem autoritären Regime in Peking eine Bühne, das regelmäßig wegen der Verletzung von Menschenrechten am Pranger steht. Andererseits kann man den Summit auch als ökonomisches Diskussionsforum begreifen, das vor allem in Zeiten des Handelskrieges zwischen den USA und China für Europa mehr als sinnvoll ist. Getreu dem Motto: Persönlich mit­einander reden ist stets besser als die Meinung seines Handelspartners nur aus den Medien zu erfahren.

Der Summit spaltet die Hamburger Bevölkerung. Doch seit Kurzem ist auch die Wirtschaft in der Stadt uneins über Sinn und Zweck des Treffens. So ist der wichtige Sponsor des Summits, die Handelskammer, nicht länger bereit, den europäisch-chinesischen Gipfel zu subventionieren. Rund eine viertel Million Euro fließt nach Angaben des neuen Kammerpräses Tobias Bergmann aus den Pflichtbeiträgen der Mitgliedsfirmen in das Format. Bergmann und seine Mitstreiter wollen diesen Zuschuss in diesem Dezember das letzte Mal gewähren. Im Klartext: Finden sich nicht ausreichend Sponsoren aus der Wirtschaft, dürfte das Event 2018 wohl das letzte Mal stattfinden.

Hamburgs Kaufleute müssen nun selbst aktiv werden, wollen sie den europäisch-chinesischen Gipfel am Leben halten. Oder sie setzen auf den nächsten Kammer-Wahlkampf. Womöglich werden sich die Gegner der aktuellen Führung 2020 zum Summit und dessen finanzieller Unterstützung bekennen. Die Mitgliedsunternehmen hätten dann das Wort – ganz demokratisch.