Meinung
Zwischenruf

Unschönes Spiel mit Plastikweihnachtsmann

Es gibt ja tatsächlich noch Menschen, die Weihnachten schön finden, aber eben nur an Weihnachten. Also ganz grob gesprochen am 24., 25. und 26. Dezember. Am 23. Dezember ist Weihnachten noch nicht, am 27. ist es schon gewesen. Hat was mit dem Kalender zu tun. Übrigens halten sich die weitaus meisten Ereignisse an die Regel, an bestimmten Tagen stattzufinden – und davor und danach eben nicht. Nehmen wir zum Beispiel das Rolling-Stones-Konzert im Stadtpark. Es war für den 9. September 2017 angekündigt – und fand auch genau an diesem Tag statt. Hätte es das nicht getan, hätte man sein Eintrittsgeld zurückfordern können.

So weit klar? Nehmen wir meinen Geburtstag. Natürlich, das ist mit Weihnachten nicht zu vergleichen. Dennoch würde ich nie auf die Idee kommen, mich sechs Wochen vor dem Geburtstag in irgendeine Fußgängerzone zu stellen und aus einem mit persönlichen Devotionalien geschmückten Schwenkgrill heraus Würstchen zu verkaufen. Wochenlange Geburtstags-Extension? Das müsste ich meinen Freunden erklären, und selbst wenn mir das gelänge, bliebe die Gefahr groß, für einen komischen Kauz gehalten zu werden. Wochenlanger Weihnachtswürstchenvorverkauf? Der ist längst normal.

Die bis Weihnachten weihnachtsfreien Zonen sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Ein paar kleine Reservate gibt es noch, etwa Fußballplätze. So dachte ich zumindest. Bis ich am Sonntag – pünktlich zum Anpfiff – einen Hamburger Fußballplatz besuchte, an dessen Rand ein dreifach mannshoher Plastikweihnachtsmann stand. Es war kein schönes Spiel.