Meinung
Kommentar

Dem Hafen fehlt eine Strategie

Entscheidersollten miteinander reden anstatt übereinander

Hamburgs kürzlich zurückgetretener Wirtschaftssenator Frank Horch hat unrecht gehabt. Er hat prophezeit, dass allein schon die Ankündigung, dass die Elbvertiefung genehmigt ist, zu mehr Ladungsaufkommen im Hamburger Hafen führen wird. Die Elbvertiefung darf inzwischen gebaut werden, aber der Ladungsverlust in Hamburg geht weiter. Und wird deutlicher: minus 3,4 Prozent. Vor zwei Jahren stagnierte der Seegüterumschlag in Hamburg, im letzten Jahr ging er moderat zurück, 2018 deutlich.

Die Marketingorganisation des Hafens versucht der Situation verständlicherweise Positives abzugewinnen. Es sei vor allem der Leercontainerumschlag zurückgegangen, der weniger wert ist als das Aufkommen an vollen Containern, heißt es. Zudem sinke der Verteilverkehr. Die für Hamburg bestimmte Ladung bleibe aber stabil. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Hamburg Marktanteile verliert, während alle anderen direkten Konkurrenzhäfen hinzugewinnen, im In- und Ausland. Das bedeutet am Ende, dass die Hansestadt ihre herausragende Stellung als logistische Drehscheibe in Nordeuropa ein­büßen könnte. Was also ist zu tun?

Ein Lichtblick ist, dass Horchs Nachfolger, der neue Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos), das Problem erkannt hat und angehen will. Er hat eine Forderung aus der Wirtschaft aufgegriffen und will einen
runden Tisch initiieren, an dem alle entscheidenden Kräfte des Hafens
teilnehmen sollen. Ziel ist es, Ideen zu entwickeln, die den Hafen wirtschaftlich voranbringen. Das hat zwei positive Effekte. Erstens: Wenn alle an einem Strang ziehen, sind Entscheidungen leichter durchsetzbar. Zweitens: Es wird im Hafen wieder mehr miteinander gesprochen als übereinander. Der Senator sollte die Unternehmer in die Pflicht nehmen. Niemand darf sich wegducken.