Schwächelnde Hafenwirtschaft

Nur der Hamburger Hafen verliert weiter an Ladung

Auch der Containerumschlag bleibt in den ersten neun Monaten mit 6,6 Millionen TEU 2,4 Prozent unter Vorjahresniveau.

Auch der Containerumschlag bleibt in den ersten neun Monaten mit 6,6 Millionen TEU 2,4 Prozent unter Vorjahresniveau.

Foto: imago stock / imago/Christian Ohde

Seegüterumschlag geht um 3,4 Prozent zurück. Rotterdam, Antwerpen, aber auch Bremen legen zu.

Hamburg.  Der Hamburger Hafen verliert weiter an Ladung. Zugleich nimmt der Marktanteil des größten deutschen Seehafens gegenüber der ausländischen Konkurrenz ab. Das geht aus der Leistungsbilanz nach den ersten neun Monaten des laufenden Jahres hervor. War der Seegüterumschlag im gesamten Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr in Hamburg um 1,2 Prozent gesunken, beträgt das Minus von Januar bis September 2018 schon 3,4 Prozent.

Insgesamt wurden 100,8 Millionen Tonnen umgeschlagen, wie die Marketingorganisation des Hamburger Hafens am Montag mitteilte. Der Rückgang habe sich im dritten Quartal allerdings abgeschwächt, heißt es in der Mitteilung. Dies darf man allerdings nicht überbewerten, weil das dritte Quartal in der Handelsschifffahrt traditionell das stärkste ist. Der Stück­gut­umschlag sank um 2,3 Prozent auf 68,6 Millionen Tonnen und der Mas­sengut­umschlag sogar um 5,6 Prozent auf 32,2 Millionen Tonnen. Offizielle Begründung: Sauggut und Flüssigladung seien marktbedingt zurückgegangen. Der Containerumschlag, die bisher wichtigste Säule des Hamburger Hafens, blieb in den ersten neun Monaten mit 6,6 Millionen Standardcontainern (TEU) zudem 2,4 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Rückgang konzentriert sich auf Europa- und Nordamerika-Verkehre

Nach Angaben der Marketingorganisation konzentriert sich der Rückgang im Containerumschlag in den ersten neun Monaten vor allem auf die Europa- und Nordamerika-Verkehre, die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus von 4,4 Prozent im ersten und 26,2 Prozent im zweiten Fall aufwiesen. Das Minus im Europaverkehr ist darauf zurückzuführen, dass Hamburg zunehmend seine Rolle als führende Drehscheibe für die Weiterverteilung internationaler Seegüter verliert.

Das weit überdurchschnittliche Minus im Nordamerikahandel ist der Umroutung eines Dienstes zuzuschreiben. Die Reedereiallianz The Alliance – mit Hapag-Lloyd an der Spitze – hat eine Verbindung an die Ostküste der USA von Hamburg nach Bremerhaven verlegt, was einen Mengenverlust von rund 200.000 TEU nach sich zog. Mit der protektionistischen Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat der Rückgang also nichts zu tun: „Die Strafzölle blieben bislang ohne Auswirkungen“, sagte ein Sprecher des Hafenmarketings auf Anfrage. Da die Allianz im kommenden Jahr vier Transatlantikdienste aus Bremerhaven nach Hamburg verlegen will, rechnet der Hafen hier wieder mit einem deutlichen Mengenplus.

Bremer Häfen verzeichnen ein Plus von 1,9 Prozent

Wie fatal die Abschwächung im Hamburger Hafen ist, zeigt sich im Vergleich mit den anderen bedeutenden Häfen in Nordwesteuropa: Alle anderen konnten in den ersten neun Monaten zulegen, nur Hamburg verlor. So verzeichneten die Bremer Häfen ein Plus von 1,9 Prozent, Wilhelmshaven sogar ein Plus von 15,2 Prozent. Nicht besser fällt der Vergleich für Hamburg mit dem Ausland aus: In Rotterdam wurden von Januar bis September knapp 10,8 Millionen TEU umgeschlagen, was eine Zunahme um 5,7 Prozent bedeutete, in Antwerpen waren es mit 8,3 Millionen TEU exakt 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor dem Hintergrund, dass Antwerpen Hamburg erst vor drei Jahren beim Containerumschlag überholt hat, wird die Differenz zwischen beiden immer größer. Nun beträgt sie 1,7 Millionen TEU.

„Wir hoffen, dass mit der jetzt begonnenen Fahrrinnenanpassung der Elbe bald auch eine bessere nautische Erreichbarkeit von Deutschlands führendem Universalhafen hergestellt wird, und damit verbunden auch mehr Ladung in Hamburg umgeschlagen werden kann“, sagt Ingo Egloff, Vorstand von Hafen Hamburg Marketing. Positiv habe sich nämlich der Warenhandel mit der Ostküste Südamerikas (plus 25,7 Prozent) und Nordafrika (plus 22,7 Prozent) entwickelt.

Hamburg will mit guter Hinterlandanbindung punkten

Das zweite Argument, mit dem Hamburg im internationalen Vergleich punkten will, ist die gute Hinterlandanbindung. Vor allem im Bahntransport schlägt die Hansestadt alle anderen Wettbewerber. So erreichte der Containertransport auf der Schiene in den ersten neun Monaten 2018 ein deutliches Plus von 4,3 Prozent. Insgesamt 1,8 Millionen Container wurden per Eisenbahn zwischen dem Hafen und den Umladeterminals im Binnenland befördert. Dies führte dazu, dass der Bahnanteil im gesamten Hinterlandtransport des Hafens von 42,5 auf 44,9 Prozent gestiegen ist.

Auch die direkten Eisenbahnverbindungen zwischen China und Hamburg legen in diesem Jahr deutlich zu: Inzwischen werden wöchentlich 235 Containerzug-Verbindungen zwischen der Hansestadt und 27 Zielorten in China angeboten. Egloffs Vorstandskollege Axel Mattern weiß: „Die Neue Seidenstraße hat mit Hamburg das Chinazentrum Deutschlands als Start- und Endpunkt.“