Meinung
Menschlich gesehen

Abbas Khider: Im Exil

Mit 23 Jahren hat Abbas Khider den Irak verlassen. „Und, ganz ehrlich“, sagt er heute, „Sehnsucht habe ich keine.“ Kriege, Gefängnis, Folter, „so schön waren meine Kindheit und meine Jugend im Irak nicht.“ Abbas Khider, aufgewachsen mit acht Geschwistern, ist Schriftsteller, Chamisso-Preisträger, Vater, ein gut aussehender Mann mit schwarzem, zurückgebundenem Haar.

Seit 2007 hat er einen deutschen Pass, er schreibt auf Deutsch, er lebt in Berlin. Im Exil. Das Wort beschreibe eine „feine akademische Fremdheit, die sich besser anfühlt“, sagt er. Und meint: besser als „Flüchtling“. Oder „Asylbewerber“. Oder „Migrant“. All das ist – oder: war – Khider (45) natürlich auch, in Bayern hat er in Flüchtlingsunterkünften und im Obdachlosenheim gelebt, in München und Potsdam später Literatur und Philosophie studiert. „Man ist immer der andere“, sagt er mit feinem Lächeln.

Nun ist Khider – nach der Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad und der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller – Schirmherr der diesjährigen Hamburger „Tage des Exils“, die sich mit Flucht, Vertreibung, Identität und Heimat beschäftigen. Ganz im Sinne dieser Rubrik: Menschlich gesehen.