Meinung
Glosse

Wir chillen mal unsere Basis

Die Nachricht der lieben Kollegin aus Thailand gab Rätsel auf. „Ich chille gerade meine Basis“, übermittelte Lisa via WhatsApp. Als Anhang schickte sie ein Foto aus dem Asienurlaub, auf dem sich genau dieser Satz wiederfand. Als Graffiti. Was wollte sie damit ausdrücken?

Wobei die Frau trotz Vitalität und frischer Attitüde dem gepflegten Mittelalter angehört, mithin nicht unbedingt Jugendsprache verwendet. Andererseits freut sie sich über zwei Teenager. Die Recherche bei der eigenen Tochter daheim ergab – von einem ungemein mitleidigen Blick abgesehen – rasche Aufklärung. Gemeint sei, teilte sie dem irrlichtenden, weltfremden Vater dem Sinn nach mit, der höchste Grad der Entspannung und Gelassenheit. Die Basis zu chillen sei so etwas wie vollendetes Relaxen von Grund auf. Völlig losgelöst. Ein Traum also, nicht nur für alte Säcke.

Mit diesem just gewonnenen Wissen eröffnete eine kleine Begebenheit am Folgetag eine neue Dimension wahrhaftiger Erleuchtung. Beim Einkauf in einem winzigen Obstladen in der Rupertistraße in Nienstedten, einem Hort vortrefflicher Qualität, entdeckte ich einen Sessel. Im Verkaufsraum, direkt rechts neben dem Eingang. Keine schnöde Sitzgelegenheit, sondern ein wunderbar gepolstertes Möbelteil, eine Antiquität. Es war eine Einladung erster Klasse.

Was ist das denn? „Unsere Kundschaft wird nicht jünger“, entgegnete die plietsche Verkäuferin. Und mancher Kunde wisse es eben zu schätzen, sich für einen Moment niederzulassen und Klönschnack zu halten. „Also um die Basis zu chillen“, merkte ich an. Schwer begeistert. Und ein bisschen lebensklüger als zuvor.