Meinung
Zwischenruf

Lindners Angst-Attacke als Wirtschaftsförderung

Die „German Angst“ ist weltweit bekannt. Im gesamten angelsächsischen Raum wird der Begriff verwendet. So häufig, dass erste Initiativen zum Erhalt der englischen Sprache schon fordern, das Wort „Fear“ auf die Liste der vom Aussterben bedrohten „Words“ zu setzen. „German Angst“ ist ein Exportschlager. Insofern hat FDP-Chef Christian Lindner mit seiner jüngsten Äußerung Wirtschaftsförderung betrieben – und das gehört ja wohl zum Markenkern seiner Partei.

Lindner steht nun in einer Reihe mit dem Angstforscher und Schriftsteller Peter Handke. Dessen 1970 veröffentlichtes Werk „Die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter“ ist kulturelles Allgemeingut geworden.

Christian Lindners „Angst des Bäckereischlangenstehers vor dem Mit-schlangensteher“ dürfte ein ähnlicher Erfolg beschieden sein. Nur bei der Ausformung dieser Angst muss der FDP-Chef noch ein bisschen nacharbeiten. Möglicherweise steht er auch einfach nicht häufig genug in einer Bäckereischlange, um beurteilen zu können, was da abgeht. Nein, lieber Herr Lindner, in der Bäckerei stellen wir uns absolut nicht die Frage, welchen Aufenthaltsstatus die mit uns Wartenden haben. Unsere musternden Seitenblicke haben einen ganz anderen Grund. Es geht einzig und allein um das letzte Lieblingsbrot, das dort im Regal liegt – und um die Sorge, einer der vor uns in der Schlange stehenden Kunden könnte es möglicherweise auf genau dieses Brot abgesehen haben.

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