Meinung
Zwischenruf

Blender im Grünen – es lebe das Efeu

Ein Kollege, der nach acht Tagen Urlaub zurück nach Hamburg gekommen ist, hatte den Eindruck, er sei in einer anderen Stadt gelandet. Innerhalb weniger Tage ist es hier so grün geworden wie sonst meist erst Anfang Mai.

Wenn man ehrlich ist, ist es die Jahreszeit der großen Blender. Nein, damit sind nicht die Cabriofahrer gemeint, die unmittelbar nach dem Überschreiten der Drei-Grad-Marke und der bloßen Ankündigung eines Wolkenlochs scheinbar nur zum Spaß durch die Stadt cruisen (macht ehrlicherweise ja auch einen Haufen Spaß).

Die wahren Blender gibt es in der Pflanzenwelt. Nehmen wir die Felsenbirne: Eben noch ein unansehnliches kahles Gestrüpp im Vorgarten, entfaltete sie innerhalb von zwei warmen Tagen zauberhafte kleine weiße Blüten. Keine 24 Stunden später war die Pracht vorbei. Der Wind fegte die Herrlichkeit vom Baum, vor unserem Haus schneite es – jetzt liegt da ein weißer Blütenteppich, den man Stück für Stück ins Haus trägt. Eine Ferkelei, der man auch mit dem Besen nicht beikommt.

Die Forsythie ist auch nicht viel dankbarer. Wegen der Hitze der vergangen Woche waren alle Blüten auf einmal aufgegangen. Und nun fallen sie alle auf einmal ab. Aus der knallgelben Hochstaplerin ist eklig brauner Matsch geworden.

Da lobt man doch den Efeu, ein ehrliches, solides Gewächs – sieht winters wie sommers gleich aus: gleich grün, gleich rankend, gleich langweilig, quasi die Gleichstellungsbeauftragte unter den Pflanzen.

Nicht zu vergessen die Robinie, die erst mal alle anderen Bäume sprießen lässt, um dann, wenn sich die erste Entzückung gelegt hat, selbst loszulegen. Ein Gärtner hat sie mal Beamtenbaum genannt: Kommt spät, geht früh ...