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Katholische Schulen: Was das Bistum jetzt tun sollte

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

Reicht der Protest gegen die Schulschließung, um den Bischof zu überzeugen? Hamburgs katholische Schulen gehen alle etwas an.

Der Ort und der Tag der Demonstration der Gesamtelternvertretung der katholischen Schulen war mit Bedacht gewählt: Direkt am Bischofssitz in St. Georg machten sich rund 1000 Menschen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der katholischen Schulen stark. Am Montag will das Bistum verkünden, wie die Zukunft des kirchlichen Bildungssystem aussehen kann – und ob und wie es das Angebot der Schulgenossenschaft wahrnimmt, gemeinsam alle 21 Einrichtungen zu retten.

Es käme fast einem verfrühten Pfingstwunder gleich: Zuletzt sprachen das Bistum auf der einen und Eltern, Schüler, Lehrer und Unterstützer auf der anderen Seite unterschiedliche Sprachen. Wenn sie sich nun plötzlich verstünden und den Mut fänden, gemeinsam hinauszugehen, dürften einige dem Heiligen Geist danken. Ein Hamburger Pfingsterlebnis.

Nicht nur Katholiken engagieren sich für die Schulen

Aber so weit ist es noch nicht. Tatsächlich steckt das Bistum in der schwersten Krise seiner jungen Geschichte: Die 21 katholischen Schulen, das haben die anhaltenden Proteste und die vielfältigen Solidaritätsaktionen gezeigt, genießen einen exzellenten Ruf und sind ein Pfeiler, auf dem das christliche Leben in Hamburg ruht. Es sind längst nicht nur Katholiken, die sich für die Schulen einsetzen, sondern Tausende Hamburger.

Es sind Unternehmen wie die Haspa, es sind Politiker aller Fraktionen, Kulturschaffende. Der neue Bürgermeister Peter Tschentscher zeigte genauso seine Unterstützung wie die SPD-Landesvorsitzende Melanie Leonhard oder der mögliche CDU-Spitzenkandidat Nikolas Hill. Man muss der Welt sehr entrückt sein, um diese politische Dimension zu verkennen.

Ob der Protest aber reicht, das Bistum zu einer Kurskorrektur zu bewegen, steht noch dahin. Immerhin bietet die Schulgenossenschaft einen möglichen Ausweg, gesichtswahrend die Entscheidung zu revidieren, bis zu acht Schulen zu schließen. Der Schaden ist zwar schon eingetreten, noch lässt er sich aber begrenzen. Selbst Schulen, die nicht geschlossen werden sollen, leiden unter dem Vertrauensverlust; in Hamburg Süden droht ein Kahlschlag; bei den hoch anerkannten katholischen Stadtteilschulen wird sich die Zahl der Fünftklässler nach dem derzeitigen Stand mehr als halbieren.

Absurde Berechnungen der Wirtschaftsprüfer

Vertrauen ist schnell verspielt, aber nur langsam wiederzugewinnen. Dies wird nur möglich sein, wenn das Bistum eben nicht ex cathedra entscheidet, sondern die Gläubigen mit einbezieht und gemeinsam nach Lösungen sucht.

Die Schulen sind nur die erste Landmarke auf dem langen und steinigen Weg der Konsolidierung. Auch wenn die teilweise absurden Berechnungen von Ernst & Young die Krise überzeichnen, wird das Bistum sparen müssen. Es ist richtig, dass sich die Kirche dieser bitteren Wahrheit stellt – und Angst hat einzuknicken. Aber tragfähige Lösungen, ob in Kirchengemeinden, Sozialeinrichtungen oder Krankenhäusern, wird man nur mit Transparenz und im Dialog finden können.

So entscheidet sich heute und hier die Frage, ob die Kirche einen gemeinsamen Aufbruch will oder den einsamen Abbruch. Sollte das Bistum das Ende der Gespräche und das Ende für acht Schulen erklären, käme das einer Kampfansage gleich. Und der Streit, den Bischof Heße damit heraufbeschwörte, könnte ihn am Ende viel Unterstützung und Geld, vielleicht sogar das Amt kosten. Auf der anderen Seite könnte ein Moratorium für die Schulen und ein echter Dialog mit den Betroffenen viele Wunden heilen.