Meinung
Zwischenruf

Comeback der Störche – ausgerechnet Hamburg!

Nico Binde

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Nico Binde

Spanien, Portugal, Südfrankreich – Storch müsste man sein. Abgesehen davon, dass man als Schreitvogel viel erhabener, ja, im Prinzip lustwandelnd durchs Leben ginge, hätte man als Zugvogel auch immer ein hübsches Winterquartier zur Hand. Damit bliebe einem jedenfalls der ganze Jahreszeitenquatsch mit dicken Jacken, dünnen Jacken oder den völlig überbewerteten Übergangsjacken erspart. Im Herbst müsste man nur sein Nest aufräumen, die Flügel ausbreiten und immer dem Schnabel nach fliegen: Südosten, Südwesten, ganz egal. Oder, um es mit Andy Möller zu sagen: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!“

Hamburgs Störche führen dieses privilegierte Vogelleben, Winter für Winter klappern sie die schönsten Flugziele ab, könnten sich in Valencia oder Porto eine neue Existenz aufbauen, kehren aber verlässlich ins norddeutsche Schmutzwetter zurück. Umso bemerkenswerter ist, dass jedes Jahr mindestens ein Storch als Erster schon im tiefsten Winter in Hamburg landet, um sich in Stadtteilen, die auf -werder oder -gamme enden, zu reproduzieren. Dieses Mal war dieser Tag der übel verregnete 7. März. Und spätestens da stellt sich doch die Frage: Warum? Was hat Hamburg, was die Iberische Halbinsel nicht hat? Abgesehen von 14 Arten Regen, den Vier- und Marschlanden und einem für Störche völlig nutzlosen Konzerthaus?

Offiziell heißt es, wer zuerst kommt, kriegt die besten Nester. Wahrscheinlicher ist aber, dass einige der 29 Hamburger Brutpaare aus dem letzten Jahr einen ungesunden, gänzlich undistanzierten Lokalpatriotismus pflegen. Hamburg, schönste Storchenstadt der Welt und so. Deshalb heißen wir sie einerseits natürlich herzlich willkommen. Andererseits müssen wir ihnen zurufen: Wacht auf!

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