Meinung
Zwischenruf

Olle Aula schlägt schicke Elbphilharmonie

Ach, ja die Elbphilharmonie. Sie ist schöner als gedacht und immer einen Besuch wert. Zuletzt ging es mit der Familie zum Jugendsinfonieorchester und den Young Classics im Großen Saal. Toll war das, auch wenn die Plätze oben in der 16. Etage (oder heißt es Rang?) ganz schön weit weg waren vom Geschehen. Super Klang, ja, große Stücke, Brahms, Tschaikowsky, die große Kunst. Aber die Gesichter der jungen Menschen waren nicht zu sehen, ihre Mimik, ihre Gesten. Ein Foto im Programmheft reicht nicht. Und so fehlte das Persönliche. Nein, intim war dieses Konzert nicht.

Anders am darauffolgenden Abend – das Frühjahrskonzert am Gymnasium der Tochter bot Kontrastprogramm. Eine olle Aula, viel zu voll, schlechte Luft, enge Stuhlreihen. Vier verschiedene Chöre, Gitarren- und Streicher­ensemble, Junior Big Band, Big Band, sogar ein Elternchor trat auf, und dann diese junge Sängerin, die da in der Aula stand und dermaßen gut „Lady Greensleeves­“ sang, dass sich die Gänsehaut auf den Armen kaum vermeiden ließ. Absolut umwerfend diese Stimme. Mehr geht nicht. Das Trompetensolo, das Orchester, die Mittelstufe, die „Dat du min Leevsten büst“ singt mit Jungs, denen das peinlich zu sein scheint, die aber trotzdem dabei sind, die nervös ihre Hände beim Singen kneten und das Publikum­ gar nicht angucken: Hier war mehr Gefühl und Nähe. Ist ja auch nicht der Große Saal. Sorry, Elbphilharmonie: Wir stehen auf alte Aulen. Wir sind Kulturbanausen.

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